Kabeldiebstahl: 850 Ladestandorte in Frankreich betroffen
Seit Januar haben Kupferdiebe 850 Ladestandorte in Frankreich angegriffen, meldet Charge France. Die Betreiber fordern einen nationalen Plan und mehr Schutz.

Kupferdiebe haben in Frankreich seit Januar 850 Ladestandorte für Elektroautos heimgesucht. Das geht aus einer Bilanz des Betreiberverbands Charge France vom 3. November hervor. Der Schaden wird auf 18 Millionen Euro beziffert.
Betroffen ist damit rund jeder zehnte Standort des französischen Schnellladenetzes. Verbandsgeneralsekretär Matthieu Dischamps nannte Ende Oktober sogar etwa 1.000 betroffene Stationen, mehr als 15 Prozent des Netzes, und 21 Millionen Euro Schaden. Im gesamten Jahr 2025 waren es nur rund hundert Stationen.
Wenig Beute, hohe Kosten
Die Täter haben es auf die dicken Kupferkabel der Schnelllader abgesehen. Ein gekapptes Kabel bringt beim Weiterverkauf angeblich nur 30 bis 80 Euro, der Ersatz kostet den Betreiber aber rund 1.500 Euro – zuzüglich Technikereinsatz und entgangener Einnahmen während des Ausfalls. TotalEnergies gibt an, Kabel binnen etwa 15 Tagen zu ersetzen.
Für Fahrer heißt das: Eine beschädigte Station lädt gar nicht mehr. Laut einer vom Verband zitierten Enedis-CSA-Umfrage vom Oktober nutzen 71 Prozent der Fahrer reiner Elektroautos öffentliche Ladepunkte. Auf Fernstrecken, wo Stationen mehrere Dutzend Kilometer auseinanderliegen können, empfiehlt sich vor der Anfahrt ein Blick in die App des Betreibers oder in den Routenplaner.
Betreiber fordern Hilfe vom Staat
Nach Einschätzung der Betreiber stecken organisierte Banden dahinter, die mit akkubetriebenen hydraulischen Kabelscheren und Winkelschleifern nachts an abgelegenen, unbewachten Standorten arbeiten. Driveco, das mehr als 450 Stationen betreibt, verzeichnet fast wöchentlich Diebstähle und rüstet Kevlar-Hüllen mit GSM-Chips nach. Andere setzen auf Videoüberwachung, Alarme und Echtzeitmeldungen; Ionity nennt verstärkten physischen Schutz, Ortungstechnik und Tintenmarkierung.
Die Justiz reagiert zunehmend: Charge France zählt 15 Ermittlungsverfahren seit Januar, sieben davon seit September. Gerichte in Toulouse und Troyes verhängten zwei Jahre Haft ohne Bewährung samt fünf- bzw. zehnjährigem Landesverbot, Nantes sechzehn Monate, jeweils mit Entschädigung für die Betreiber.
Der Verband verlangt von Innen- und Justizministerium, Ermittlungen der Staatsanwaltschaften zu verknüpfen, Schrotthändler stärker zu kontrollieren und bei Alarmen rasch Polizei zu schicken. Die Abgeordnete Olga Givernet will besonders strategische Stationen nach der EU-Richtlinie von 2022 zur Resilienz kritischer Einrichtungen als kritische Infrastruktur einstufen lassen, wie in Portugal. Eine Entscheidung gibt es bislang nicht. Ende September zählte Frankreich rund 40.000 Schnellladepunkte.
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