Japans Blue Ticket für Radfahrer: Halbjahresbilanz nach Reform
Sechs Monate nach Einführung von Bußgeldern für Radfahrer in Japan ändern viele ihr Verhalten. Die Kontrollen wirken kaum strenger, die meisten Firmen reagierten nicht.

Sechs Monate nach Inkrafttreten der reformierten Straßenverkehrsordnung in Japan am 1. April fahren viele Radfahrer vorsichtiger. Die Kontrollen sind jedoch nicht spürbar schärfer geworden, wie mehrere Umfragen und Daten der Tokioter Polizei zeigen.
Neu ist das „Blue Ticket“ für Radfahrer ab 16 Jahren. Es schließt die Lücke zwischen mündlicher Verwarnung und dem „Red Ticket“, das ein Strafverfahren auslöst. Wer das Bußgeld zahlt, entgeht der Strafverfolgung. Missachten eines Stoppschilds, Fahren mit Regenschirm, Kopfhörer, defekten Bremsen oder Licht kosten 5.000 Yen. Das Handy am Lenker wird teurer geahndet. Autofahrer sollen beim Überholen etwa einen Meter Abstand halten oder auf rund 20 bis 30 km/h abbremsen.
Was Radfahrer berichten
Eine NCD-Umfrage im September unter Mitgliedern des Fahrradparkdienstes ECOPOOL ergab: 77,2 Prozent haben ihr Verhalten geändert. Davon achten 65,2 Prozent stärker darauf, auf der Fahrbahn zu fahren, 59,1 Prozent darauf, an Stoppschildern anzuhalten. Die Stichprobe umfasste hier nur 149 Personen. Viele zögerten bei der Wahl zwischen Fahrbahn und Gehweg, die Fahrbahn bleibt für manche schwierig oder beängstigend.
In einer KiteRa-Umfrage im Juli unter 962 Pendlern gaben 19,6 Prozent der Radpendler an, in Unfälle oder Ärger geraten zu sein; 27,7 Prozent fühlen sich verunsichert. Seit der Reform erhielten 9,1 Prozent ein Blue Ticket und 3,8 Prozent eine Verwarnung. Ob schneller gestraft wird, lässt sich daraus nicht ablesen.
Arbeitgeber und Unfallzahlen
54,2 Prozent der Arbeitgeber taten nichts, nur 18,0 Prozent änderten ihre Regeln. Eine Richtlinie zum Radpendeln haben 24,4 Prozent der Firmen, bei Betrieben bis 100 Beschäftigte etwa jede zehnte. Am häufigsten gewünscht wird eine Pflicht zur Haftpflichtversicherung, die in 35 Präfekturen per Verordnung gilt, bundesweit aber nicht.
Die Tokioter Polizei zählte in sechs Monaten 6.353 Fahrradunfälle, 748 weniger als im Vorjahreszeitraum. Sie führt dies auf das Blue Ticket zurück, doch sind auch Unfälle ohne Schuld der Radfahrer enthalten. Landesweite Zahlen werden frühestens im April oder Mai 2027 erwartet.
Zudem stieg der Anteil der Verwarnungen, während Red Tickets deutlich seltener wurden. Die Polizei handelt damit weitgehend im Sinne des Gesetzes.
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