Mercedes-Benz verkauft europäisches Ladenetz an Electra
Mercedes-Benz übergibt seine 47 Ladestationen in Europa mit 374 Ladepunkten an den französischen Betreiber Electra. Der Kaufpreis bleibt geheim.

Mercedes-Benz zieht sich vom Betrieb eines eigenen Schnellladenetzes in Europa zurück. Wie der Hersteller am Dienstag, den 3. November 2026, mitteilte, gehen alle 47 europäischen Stationen mit insgesamt 374 Ladepunkten an den französischen Betreiber Electra. Der Preis wurde nicht genannt; im Quartalsbericht von Mercedes war das Netz mit 99 Millionen Euro bewertet.
Die meisten Standorte liegen in Deutschland (31) und Österreich (6), der Rest verteilt sich auf weitere Länder.
Vom Ziel 10.000 Ladepunkte zum Rückzug
Anfang 2023 wollte Mercedes bis 2030 rund 10.000 Ladepunkte an 2.000 Standorten in Nordamerika, China und Europa aufbauen. Seitdem hat sich die wirtschaftliche Lage verändert: Der Absatz von Elektromodellen schwächelt, der Preisdruck in China wächst, die Margen sinken. Der Konzern muss deshalb bei nicht strategischen Investitionen kürzen. Bauarbeiten, Hochspannungsanschlüsse mit den Netzbetreibern und der Unterhalt von Säulen mit bis zu 400 kW sind teuer, die Rendite ist ungewiss.
Mercedes steht damit nicht allein. Audis Charging Hubs blieben eher ein Imageprojekt, und Renault tut sich mit dem Ausbau von Mobilize Fast Charge, inzwischen Plug Inn fast charge, schwer. Außer Tesla kann offenbar kein europäischer Hersteller mit spezialisierten Betreibern mithalten. Chinesische Hersteller wollen dagegen eigene Netze in Europa starten, etwa für extrem leistungsstarke Säulen wie BYDs Flash Charging.
Was sich für Fahrer und Electra ändert
Electras deutsches Netz wächst von 50 auf 81 Stationen (+62 Prozent). Hinzu kommen 6 Standorte in Österreich und rund zehn in anderen Ländern. Insgesamt zählt das Unternehmen nun mehr als 800 Stationen und 5.000 Ladepunkte in 10 europäischen Ländern.
Electra wird zudem bevorzugter Partner von MB.CHARGE Public, dem Ladedienst von Mercedes. Fahrer der Marke behalten vergünstigte Tarife, die Fernreservierung von Ladesäulen und die Einbindung ins MBUX-System im gesamten Electra-Netz.
Electra-Chef Aurélien de Meaux sprach von „einem wichtigen Schritt für Electra in Deutschland und ganz Europa“. Das Unternehmen will ab nächstem Jahr 200 Millionen Euro in Deutschland investieren und bis 2030 in Europa 15.000 Schnellladepunkte erreichen.
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