Golfstaaten: Warum Händler Software kaufen und das Notizbuch behalten
Viele kleine Betriebe am Golf zahlen für Lager- und Verkaufssoftware, führen ihre Bücher aber weiter auf Papier. Octabiz-Mitgründer sieht darin die eigentliche Chance.

In kleinen Geschäften im Oman sowie in Teilen der VAE, Katars, Kuwaits und Bahrains werden Verkäufe und Wareneingänge oft noch von Hand ins Notizbuch geschrieben, obwohl bereits Software gekauft wurde. Das beobachtet Matthew Truth, Mitgründer und Product Lead von Octabiz. Sein Fazit: Wer am Golf für ein Tool bezahlt, nutzt es deshalb noch lange nicht.
Diese Lücke zwischen Kauf und Nutzung sei die eigentliche Marktchance, die die meisten Anbieter übersähen. Das Notizbuch punktet laut Truth in drei Punkten: Es braucht kein Training, man vertraut dem, was man selbst sieht und besitzt, und es erfüllt einen klaren Zweck, bei dem man schnell etwas nachschlagen kann.
Einführung ist die zweite Aufgabe
Viel Software in der Region werde nach bekanntem Muster verkauft: Produkt bauen, Werbung schalten, Abschluss erzielen. Das führe zum Kauf, nicht zur Nutzung. Ein Unternehmen habe daher zwei Aufgaben: das Produkt entwickeln und die Gewohnheit der Nutzung aufbauen. Viele Octabiz-Kunden hätten zuvor ähnliche Produkte ausprobiert; entscheidend seien Einführung, Beobachtung und ein einfacherer Weg gewesen.
Beispiel Lagerverwaltung: Die Schritte von der Bestellung über den Einkauf und die Bestandserfassung bis zur Buchhaltung sind in den meisten Systemen kompliziert. Reduziert man sie auf das Minimum, kann selbst ein ungeschulter Mitarbeiter das Tool bedienen.
Mitgründer Omid Pirdehi verbrachte acht bis zehn Stunden täglich im Laden eines Kunden, sah sich Papieraufzeichnungen und WhatsApp-Notizen der Mitarbeiter an und erfasste viele Produkte selbst. Seitdem prüft das Team jede Funktion mit der Frage, ob Nutzer den Weg ohne zusätzliche kognitive Belastung gehen können. Wenn nicht, wird sie zurückgestellt.
Erst Vertrauen, dann KI
Um das Notizbuch zu ersetzen, muss Software laut Truth drei Dinge leisten: Eingaben müssen einfach sein, per Dashboard oder KI-Chat; Informationen müssen jederzeit per Smartphone, Laptop oder Tablet erreichbar sein; und Daten müssen exakt so zurückkommen, wie sie eingegeben wurden. Vertrauen lasse sich nicht erzwingen, die daraus entstehende Loyalität könne ein Wettbewerber kaum kaufen.
Sind die Daten verlässlich, kann KI Entscheidungen erleichtern. Truths Beispiel: Ein Inhaber fragt, welches Datum er auf einen Scheck schreiben soll. Der Assistent prüft frühere Umsätze. Ist der 15. meist der umsatzstärkste Tag, ist der 16. sicherer, weil das Geld dann auf dem Konto ist.
Sein Rat an Gründer: das Notizbuch als Maßstab nehmen. Entscheidend sei nicht, wie viele Betriebe ein Produkt gekauft haben, sondern wie viele noch das Notizbuch aufschlagen.
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