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Auto·2 Min. Lesezeit

ADAC-Test: Notbremsassistenten übersehen Menschen in Warnkleidung

Der ADAC hat sechs Autos bei Nacht getestet: Reflektierende Arbeits- und Kinderkleidung irritiert die meisten Notbremsassistenten, sie bremsen zu spät oder gar nicht.

A car with headlights on approaching a pedestrian in a reflective high-visibility jacket on a dark road during a night braking test.
Bild: Autos

Notbremsassistenten aktueller Autos erkennen Fußgänger bei Dunkelheit schlechter, wenn diese reflektierende Arbeitskleidung tragen. Das zeigt eine ADAC-Stichprobe mit sechs Fahrzeugen: Mercedes-Benz CLA, Tesla Model Y, BYD Seal, Hyundai Tucson, Dacia Duster und Opel Astra Sports Tourer. Ausgerechnet die Kleidung, die Bauarbeiter, Rettungskräfte und Polizisten besser sichtbar machen soll, brachte die meisten Systeme aus dem Tritt. Auch ein Kind mit reflektierender Kleidung und Schulranzen erkannten fast alle Autos nicht oder zu spät.

So lief der Test

Die Versuche im ADAC Testzentrum Mobilität in Penzing orientierten sich an den Nachttests von Euro NCAP. Zunächst ermittelten die Tester pro Fahrzeug eine Referenz: die höchste Geschwindigkeit, bei der es einen Zusammenstoß mit einem Erwachsenen- oder Kinder-Dummy ohne Warnkleidung noch vermied. Mit diesem Tempo folgten die Durchgänge mit anderer Kleidung. Da die Referenz individuell festgelegt wurde, sind die Autos laut ADAC nicht direkt vergleichbar.

Mit einer handelsüblichen Warnweste verhinderten alle sechs Autos den Zusammenstoß. Bei genormter Arbeits- und Einsatzkleidung, wie sie im Straßenbau, Rettungsdienst und bei der Polizei üblich ist, erkannten fast alle die Person nicht oder zu spät. Ein Kind-Dummy in dunkler Kleidung wurde von allen erkannt, mit reflektierender Kleidung und Schulranzen bremsten nahezu alle Systeme gar nicht oder zu spät. Einzige Ausnahme war der Mercedes CLA, der das Kind sogar erkannte, als es hinter einem parkenden Auto hervorlief. Bei der Einsatzkleidung warnte aber auch er zu spät oder bremste zu schwach.

Ursache, Regeln und Rat

Der ADAC vermutet die Ursache weniger in der Hardware als in der Klassifizierung von Verkehrsteilnehmern und hält ein Softwareupdate oft für ausreichend. Belegt ist das nicht. Der Effekt trat bei Kamerasystemen (Dacia Duster, Tesla Model Y) wie bei Kamera-Radar-Kombinationen (Mercedes CLA, BYD Seal) auf. Schon ein IIHS-Test vom Januar 2025 hatte ähnliche Probleme mit Reflexstreifen an bewegten Gliedmaßen gezeigt.

Bei der Typgenehmigung fällt die Schwäche nicht auf. Die EU schreibt Notbremsassistenten mit Fußgängererkennung für alle Neuzulassungen seit dem 7. Juli 2026 vor, doch die UN-Regelung Nr. 152 kennt reflektierende Kleidung nicht als eigenen Prüffall. Der ADAC betont, seine Anforderungen gingen bewusst über die gesetzlichen hinaus. Auch Euro NCAP nutzt Dummys mit schwarzem Oberteil und blauer Jeans.

Ob andere Modelle betroffen sind, bleibt offen; ein ADAC-Sprecher hält ähnliche Probleme bei baugleichen Systemen für naheliegend. Herstellerzusagen für Updates gibt es nicht. Der ADAC rät Fußgängern und Kindern in der dunklen Jahreszeit weiter zu gut sichtbarer Kleidung und mahnt: Assistenzsysteme unterstützen beim Fahren, sie übernehmen es nicht.

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