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Raumfahrt·2 Min. Lesezeit

Satelliten-Pfand: 200.000 Dollar Kaution gegen Weltraumschrott

Forscher schlagen ein Pfand von 200.000 Dollar pro Satellit vor. Laut Modell könnte es die jährlich im Orbit zurückbleibende Masse defekter Satelliten um über ein Drittel senken.

Illustration of satellites and space debris orbiting Earth, with a cloud of fragments around the planet.
Bild: Spider's Web

Ein rückzahlbares Pfand von 200.000 Dollar pro Satellit könnte die Menge an Weltraumschrott deutlich verringern. Das zeigt eine Studie in Nature Communications: Der Modellrechnung zufolge ließe sich die jährlich neu im Orbit zurückbleibende Masse ausgedienter Satelliten um mehr als ein Drittel senken.

Das Team um Indigo Brownhall besteht aus Forschern des University College London, der University of Colorado Boulder und weiterer Institutionen, darunter die Europäische Weltraumorganisation ESA. Das Prinzip erinnert an das Flaschenpfand: Vor dem Start zahlt der Betreiber einen festgelegten Betrag für einen bestimmten Satelliten, das Geld liegt während der gesamten Missionsdauer auf einem gesicherten Konto. Bringt der Betreiber den Satelliten fristgerecht aus dem Orbit, erhält er die Kaution samt Zinsen zurück. Andernfalls verfällt sie und könnte einen Fonds für die aktive Beseitigung von Schrott speisen.

Ein wachsendes Problem

Nach den von den Forschern genutzten Daten wurden zwischen 2010 und 2024 nur 40 Prozent der Satelliten in Orbits, aus denen sie nicht rechtzeitig von selbst herabsinken, nach Missionsende erfolgreich entfernt. Das heißt nicht, dass 60 Prozent aller Satelliten im All bleiben: Viele fliegen so niedrig, dass die Restatmosphäre sie abbremst. In größeren Höhen kann ein defekter Satellit dagegen Jahrzehnte bleiben und das Kollisionsrisiko erhöhen. Laut dem jüngsten ESA-Bericht treten im Schnitt täglich mehr als drei große Objekte in die Atmosphäre ein.

Warum 200.000 Dollar

Die Forscher kombinierten ein Entscheidungsmodell der Betreiber mit einer 25-jährigen Simulation von Satelliten- und Schrottzahlen. In einigen Szenarien stieg der gesamtwirtschaftliche Nutzen, einschließlich Betriebskosten und Orbitalrisiko, um bis zu 27 Prozent. Oberhalb von einer Million Dollar schrumpfte der Zusatznutzen, weil die Kosten für Betreiber schneller stiegen als die Verbesserung im Orbit.

Das System müsste nicht sofort weltweit gelten. Würde es nur in Staaten gelten, die 20 Prozent des Satellitenmarkts ausmachen, könnte die Zahl zurückgelassener Satelliten immer noch um bis zu 18 Prozent sinken. Die Wirkung ließ jedoch nach, wenn Betreiber in Märkte ohne Pfand auswichen. Brownhall zufolge könnten Staaten Kautionen für Satelliten unter ihrer Rechtshoheit verlangen, die EU könnte den Zugang zu ihrem Markt an die Regeln knüpfen.

Die Ergebnisse stammen aus einer ökonomischen Simulation, nicht aus einem realen Markt, und der Vorschlag ist kein geltendes Recht. Kontrolle und internationaler Wettbewerb müssten zuvor geklärt werden. Auf dem Spiel steht das Kessler-Syndrom, bei dem Kollisionen weitere Kollisionen auslösen. Zugleich plant die Branche massiv: SpaceX beantragte eine Konstellation mit bis zu 100.000 neuen Starlink-Satelliten.

Schlagwörter:space debrissatellitesorbital depositnature communicationsesastarlink

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