Russland: E-Scooter als Mopeds – Branche fordert Entschärfung
Anbieter von Mikromobilität und Lieferdiensten bitten Russlands Verkehrsministerium, geplante Regeln zu lockern, die starke E-Scooter und E-Bikes zu Mopeds machen.

Anbieter von Mikromobilität und Lieferdiensten fordern das russische Verkehrsministerium auf, geplante Änderungen der Straßenverkehrsordnung abzuschwächen. Das Ministerium hat den Entwurf am 3. November 2026 zur öffentlichen Diskussion gestellt. Danach sollen E-Scooter und E-Bikes mit einem Motor von 250 Watt bis 4 Kilowatt als Mopeds gelten, für die ein Führerschein der Klasse M nötig ist. Zudem sollen Kuriere und Halter von Elektrokleinstfahrzeugen mit mehr als 35 Kilogramm Gewicht nicht mehr auf Gehwegen fahren dürfen.
Viele Beamte, Abgeordnete und Experten unterstützen das Vorhaben, weil es Fußgänger schützen soll. Einzelne Punkte stoßen jedoch auf Skepsis.
Kritik von Betreibern und Lieferdiensten
Der Verband der Mikromobilitätsbetreiber, dem Yandex, MTS Yurent und Whoosh angehören, schlägt vor, auf die Klasse M für Kuriere zu verzichten. Stattdessen könnten die Sharing-Anbieter Schulungen zu den Verkehrsregeln übernehmen. Sonst, so der Verband, könnten sich einige Zusteller vom Markt zurückziehen, und Lieferungen würden langsamer und teurer.
Der Lieferdienst Kuper weist darauf hin, dass viele Kuriere auf der Fahrbahn wegen der stark unterschiedlichen Geschwindigkeiten für sich und für Autofahrer gefährlich seien. Damit sie nicht auf Gehwege ausweichen, brauche es eigene Radstreifen und Radwege.
Zweifel an der Durchsetzung
Experten bezweifeln, dass sich die Regeln kontrollieren lassen. Das Gehwegverbot gilt nur bei Fahrten zu „kommerziellen Zwecken“, wie Vitali Gajewski, Professor an der Verkehrsuniversität MADI, anmerkt: „Wie soll man beweisen, dass ein Kurier nicht nach Hause fährt?“ Zudem fehlt ein Zertifizierungssystem: Hersteller könnten 249 Watt angeben, obwohl der Motor stärker ist, und Besitzer können Tempobegrenzungen nach dem Kauf selbst entfernen.
Kinder unter 16 Jahren sollen nur außerhalb von „Orten des allgemeinen Gebrauchs“ fahren dürfen. Wörtlich genommen wären laut Gajewski selbst Höfe und Parks tabu.
Der Verband kritisiert außerdem das Verbot, solche Fahrzeuge außerhalb spezieller Stellflächen abzustellen. Für jeden Standort wäre ein eigenes Verkehrsorganisationsprojekt nötig, und den Kommunen fehle ohnehin Geld. Der Verband schlägt eine Verschiebung der Beschränkungen vor.
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