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Estland genehmigt Roboter-Apotheken rund um die Uhr – Europa-Premiere

Estlands Regierung hat einen Gesetzentwurf gebilligt, der Roboter-Apotheken die Abgabe rezeptpflichtiger Arzneimittel rund um die Uhr erlaubt – per Video-Apotheker.

A self-service robotic pharmacy kiosk with a touchscreen and video consultation display in an Estonian street setting.
Bild: Tech.eu

Die estnische Regierung hat einen Gesetzentwurf gebilligt, der Roboter-Apotheken den Betrieb rund um die Uhr ermöglichen soll. Rezeptpflichtige und frei verkäufliche Arzneimittel könnten dann ohne Apotheker vor Ort abgegeben werden. Die geplanten Änderungen am Arzneimittelgesetz sehen automatisierte Selbstbedienungsapotheken mit digitaler Identitätsprüfung, Video-Beratung durch approbierte Apotheker und robotergestützter Ausgabe vor.

Das Parlament muss noch zustimmen, die Umsetzung ist für den 1. März 2027 vorgesehen. Käme das Gesetz, wäre Estland das erste europäische Land mit Fernabgabe verschreibungspflichtiger Arzneimittel über automatisierte Apotheken – über Abholfächer und Systeme nur für nicht rezeptpflichtige Produkte hinaus.

So funktioniert es

Im Mittelpunkt steht das estnische Unternehmen Grab2Go. Die Mitgründer Mart Viilipus und Reio Orasmäe stießen auf die Vorschrift, dass bei der Abgabe von Medikamenten ein Apotheker physisch anwesend sein muss. Sie wandten sich an Accelerate Estonia, ein staatlich gefördertes Innovationsprogramm des Wirtschafts- und Kommunikationsministeriums. Gemeinsam mit der estnischen Arzneimittelbehörde und dem Sozialministerium wurden die nötigen Regeländerungen erarbeitet, ohne die Patientensicherheit zu gefährden.

Kunden wählen ihr Medikament am Touchscreen, identifizieren sich per ID-Karte oder anderer digitaler Lösung und sprechen dann per Video mit einem Apotheker, der die Anfrage prüft und die Abgabe freigibt. Lagerung und Ausgabe übernimmt ein Roboter in einem gesicherten Stahlgehäuse, das nur Befugte öffnen können. Laut Orasmäe fiel im sechsmonatigen Pilotprojekt kein Roboter aus; schwieriger war es, Kunden mit der digitalen Identifizierung vertraut zu machen. Sogar eine 82-Jährige nutzte das System.

Warum das wichtig ist

Eine Folgenabschätzung von Accelerate Estonia und PwC verweist auf die Altersstruktur: 53 Prozent der Apotheker und 43 Prozent der pharmazeutisch-technischen Fachkräfte sind über 50. Apotheker könnten aus der Ferne mehrere Standorte betreuen, ländliche Regionen und Inseln erhielten besseren Zugang. Accelerate-Estonia-Leiter Olari Püvi erwartet zudem eine Entlastung der Notfallversorgung.

Der Fall zeigte auch ein Henne-Ei-Problem: Behörden wollten Daten vor einer Gesetzesänderung, doch Unternehmen durften sie legal nicht erheben. Accelerate Estonia entwickelte daher einen Rahmen für kontrollierte Praxistests.

Grab2Go will vor allem Technologieanbieter für Apothekenbetreiber sein und peilt eine Amortisation in etwa zwei bis drei Jahren an. Das Gesetz soll technologieneutral sein, auch Wettbewerber könnten also Systeme anbieten. Laut Püvi zeigen Kanada, Schweden, Norwegen und Österreich Interesse.

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