d-you: Digitale Brieftasche startet 2027 mit begrenztem Umfang
Die deutsche Wallet d-you soll am 2. Januar 2027 starten. Anfangs gibt es nur wenige Funktionen, und viele Menschen haben keinen nutzbaren Online-Ausweis.

Die Bundesregierung will die digitale Brieftasche d-you am 2. Januar 2027 starten. Die gesetzlichen Grundlagen hat sie Mitte Oktober geschaffen, der Bundesrat muss noch zustimmen. Die App ist die deutsche Umsetzung der European Digital Identity Wallet (EUDI-Wallet) und wird von SPRIND und Common Codes im Auftrag des Digitalministeriums (BMDS) entwickelt.
Freiwillig, aber mit Hürden
Die Nutzung ist freiwillig, physische Ausweise bleiben gültig. d-you gibt es ab 16 Jahren und nur für Android- oder iOS-Smartphones mit NFC. Die Ausweisfunktion braucht eine Internetverbindung, und bei Verlust des Handys muss die Wallet ohne Backup komplett neu eingerichtet werden.
Die Anmeldung läuft über die Online-Funktion des Personalausweises: Nutzer geben die sechsstellige Ausweis-PIN ein, die App liest die Karte per NFC aus und vergibt eine eigene sechsstellige Wallet-PIN. Danach muss der Ausweis nicht mehr bei jedem Vorgang ans Telefon gehalten werden.
Genau das könnte zur Hürde werden. Laut einer Bitkom-Umfrage vom April haben nur 18 Prozent die Online-Funktion aktiviert und kennen ihre PIN, weitere 21 Prozent kennen sie nicht mehr. Ein kostenloser Rücksetzbrief schafft Abhilfe.
Schrittweiser Ausbau
Zum Start kommt zunächst der digitale Ausweis, später folgen Führerschein, Sozialpass und Rentenausweis. Rund 40 Partner wie Deutsche Post, Sparkassen, Vodafone und Rossmann arbeiten an Funktionen; die Sparkassen kündigen zehn Anwendungen an, etwa zur Identifizierung bei Konto- und Depoteröffnung.
Behörden mit Ausweispflicht müssen d-you akzeptieren. Ab Ende 2027 gilt das auch für Banken, Energieversorger, Telekommunikationsanbieter und sehr große Plattformen; normale Online-Shops entscheiden selbst. Bundesbehörden müssen bis Ende 2027 Nachweise in die Wallet ausstellen können, Länder und Kommunen hängen von Technik und Budget ab.
„Zum Launch wird es keinen großen ‚Big Bang‘ geben“, sagt Johannes Hollunder vom Bitkom. Die Nachweise sind kryptografisch signiert und stammen direkt von der ausstellenden Stelle; die Wallet soll datensparsam sein und etwa beim Altersnachweis nur die Volljährigkeit bestätigen. Das Digitalministerium will den Start unter Berücksichtigung möglicher Restrisiken entscheiden, der Termin könnte also noch wackeln.
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