Stockal-Streit: US-Aktien angeblich ohne Zustimmung verkauft
Fast 30 indische Anleger werfen Stockal vor, ihre US-Depots am 15. Oktober ohne Zustimmung verkauft zu haben. Borderless und DriveWealth weisen sich gegenseitig die Verantwortung zu.

Knapp 30 indische Anleger behaupten, ihre US-Aktiendepots bei der Plattform Stockal seien am 15. Oktober ohne ihre Zustimmung aufgelöst worden. Mit dem Erlös seien Aktien des chinesischen, an der Nasdaq notierten Microcaps Zhibao Technology gekauft worden. Die von Anlegern gemeldeten Verluste sollen 100 Crore Rupien übersteigen, die Summe ist jedoch nicht überprüft.
Ein Anleger berichtet, Wertpapiere im Wert von 3,1 Millionen Dollar (rund 29 Crore Rupien) seien binnen zwei Minuten verkauft worden, innerhalb von 15 Minuten folgten Käufe von 30,5 Lakh Zhibao-Aktien. Ein anderer nennt verkaufte Bestände von 335.768 Dollar und 3 Lakh gekaufte Zhibao-Aktien. Betroffen gewesen sein sollen unter anderem Apple, Amazon, Tesla, NVIDIA, Alphabet und AMD. In Bengaluru wurde Berichten zufolge eine Strafanzeige (FIR) aufgenommen.
Widersprüchliche Darstellungen
Stockals Muttergesellschaft Borderless Investing erklärt, der Brokerpartner DriveWealth habe sie am 16. Oktober (indischer Zeit) über verdächtigen Handel in 13 Konten informiert. Nach eigener Einschätzung griff ein Unbefugter mit gültigen Zugangsdaten auf 26 Konten zu; in 13 davon wurden große US-Werte gegen kaum gehandelte Microcaps getauscht. Borderless sieht keine Hinweise auf einen Einbruch in Plattform oder Systeme und sagt, es seien keine Gelder abgeflossen. Als mögliche Erklärung nennt das Unternehmen Social Engineering mit Daten aus dem Datenleck eines anderen Unternehmens, betont aber, dies sei unbestätigt.
DriveWealth soll einem Anleger am 30. Oktober schriftlich mitgeteilt haben, der Zugriff sei über die Stockal-Oberfläche erfolgt und Stockal verantwortlich. Gegenüber Journalisten erklärte das Unternehmen: „Der Stockal-Vorfall hat nichts mit den Systemen von DriveWealth zu tun. Er ereignete sich in Stockals App, nicht auf unserer Plattform.“
Was das bedeutet
Zhibao schloss am 23. Oktober bei 0,42 Dollar, rund 60 Prozent unter dem von Anlegern genannten Durchschnittskaufpreis von etwa 1,05 Dollar. Unabhängig davon, ob Geld abfloss, richtet sich der Vorwurf gegen die eigenmächtige Änderung der Bestände.
Sicherheitsexperte Yash Kadakia von Security Brigade betont, Plattformen könnten die Verantwortung nicht allein auf Kunden abwälzen, wenn gestohlene Passwörter Finanztransaktionen auslösen. Er fordert Zwei-Faktor-Authentifizierung, SIM-Bindung, Geräte- und Standortprüfungen, separate Freigaben je Transaktion und Verhaltensüberwachung.
Borderless hat nach eigenen Angaben externe Experten eingeschaltet, zusätzliche Schutzmaßnahmen eingeführt und arbeitet mit DriveWealth und den Behörden zusammen, ohne eine Haftung anzuerkennen. Der genaue Zugriffsweg wird weiter untersucht.
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