SpaceX baut mit Starlink Mobile einen eigenen Mobilfunkanbieter
Nach Absagen von US-Netzbetreibern baut SpaceX seinen eigenen Mobilfunkanbieter auf: mit Frequenzen, Qualcomm-Technik und einem möglichen Kauf von Boost Mobile.

SpaceX baut mit Starlink Mobile einen eigenen Mobilfunkanbieter auf, nachdem die großen US-Netzbetreiber einen Vorschlag für Satellitentelefonie in ihren Netzen abgelehnt haben. Binnen weniger Wochen hat das Unternehmen Frequenzen gekauft, Zugang zu Funkmasten gesucht und einen 5G-Technikpartner verpflichtet.
Die Absage der Netzbetreiber
Die deutlichste Abfuhr kam mit den Zahlen zum dritten Quartal. T-Mobile-Chef Srini Gopalan schloss eine MVNO-Vereinbarung mit SpaceX aus. Dabei würde Starlink das Netz eines Anbieters mieten und Dienste unter eigener Marke verkaufen. Satellit sei „eine unterlegene Version von FWA mit noch mehr Einschränkungen, etwa der Strahlgröße“, sagte Gopalan. Verizon-Chef Dan Schulman erklärte ebenso klar, er sehe „absolut keinen Nutzen“ darin, einem Satellitenanbieter eine MVNO-Plattform zu bieten.
Frequenzen, Masten, Chips
SpaceX griff daraufhin nach der knappsten Ressource. An EchoStar zahlte das Unternehmen rund 17 Milliarden Dollar in bar und Aktien; enthalten sind Frequenzen im 2-GHz-Band, die für die Kommunikation mit Handys aus dem All gedacht sind. Im Oktober vereinbarte SpaceX den Kauf von bis zu 14 MHz gepaartem Spektrum im 800-MHz-Band von Grain Management. Diese niedrigen Frequenzen durchdringen Wände und erreichen das Innere von Gebäuden. Laut SpaceX könnte Starlink Mobile damit „der erste Netzbetreiber sein, der Satelliten- und terrestrisches Spektrum einsetzt“. Die US-Behörde FCC muss dem Geschäft noch zustimmen.
Zusätzlich braucht SpaceX Bodeninfrastruktur. Laut Bloomberg suchte das Unternehmen Zugang zu mindestens 80.000 Antennenstandorten in den USA – nach Zahlen der Wireless Infrastructure Association, die im vergangenen Jahr 158.500 Türme zählte, etwa die Hälfte. Für die Ausrüstung hat SpaceX eine Partnerschaft mit Qualcomm geschlossen: Der Hersteller liefert seine Dragonwing-Plattformen für Zehntausende terrestrische Basisstationen von Starlink Mobile, der Ausbau beginnt 2027.
Fehlen noch die Kunden
Bleibt die Kundschaft. Die Washington Post berichtete, SpaceX verhandle über den Kauf von Boost Mobile – der Zugang zu einem US-Mobilfunkmarkt im Wert von 235 Milliarden Dollar. Gelingt das, kontrollierte SpaceX Satelliten, Bodennetz und Vertrieb.
Das können nur wenige Anbieter von sich sagen, denn Netzbetreiber besitzen keine eigenen Satelliten. In Europa haben sich Telefónica, Orange und Vodafone gegen Starlink zusammengetan und laut Forbes noch keinen Weltraumpartner gewählt.
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