Russland: Rechenzentren müssen 10 % Kapazität für den Staat reservieren
Ein neues Dekret des russischen Präsidenten verpflichtet Rechenzentren, 10 % ihrer Kapazität zu reservieren. Zugleich dürfen ausländische Rechenzentren genutzt werden.

Russische Rechenzentren müssen künftig 10 % ihrer Flächen und Kapazitäten für die Unterstützung heimischer Informationsressourcen vorhalten. Das geht aus dem Präsidentendekret Nr. 802 vom 2. November 2026 hervor, das auf dem offiziellen Portal für Rechtsakte veröffentlicht wurde. Es trägt den Titel „Über vorübergehende Maßnahmen zur Unterstützung des Betriebs von Informationsressourcen auf dem Gebiet der Russischen Föderation“.
Betroffen sind Rechenzentren, die nicht staatlichen oder kommunalen Einrichtungen gehören. Die Betreiber haben zehn Tage nach Inkrafttreten Zeit, die Reserve einzurichten. Die Kapazitäten bleiben zunächst in ihrer eigenen Nutzung. Eine spezielle Unterkommission der Regierung für digitale Entwicklung kann jedoch entscheiden, dass sie zur Unterstützung russischer Informationsressourcen bereitgestellt werden müssen, und zwar innerhalb von 24 Stunden.
Absicherung und Preise
Jede solche Entscheidung muss mit dem Inlandsgeheimdienst FSB abgestimmt werden. Die Preise für die Leistungen dürfen eine von der Unterkommission festgelegte Obergrenze nicht überschreiten. Die Regierung soll die Unterkommission einrichten und das Verfahren für den Einsatz von Reserve- und Auslandskapazitäten festlegen.
Das Digitalministerium soll zudem erfassen, welche freien Flächen und Kapazitäten in russischen Rechenzentren vorhanden sind, deren Eigentümer keine Bundes- oder Regionalbehörden, Kommunen sowie staatlichen oder kommunalen Unternehmen und Einrichtungen sind.
Ausländische Rechenzentren erlaubt
Das Dekret erlaubt ausdrücklich auch die Nutzung ausländischer Rechenzentren, um den Betrieb von Informationsressourcen in Russland zu sichern. Als Begründung werden „unfreundliche Handlungen einzelner ausländischer Staaten“ genannt. Ziel sei ein unterbrechungsfreier Betrieb.
Zuvor hatte das Digitalministerium bereits einen Mechanismus für zusätzliche Gebühren auf den internationalen Mobilfunkverkehr geprüft. Im Rahmen einer geplanten Telekommunikationsreform schlug es zudem vor, den gesamten Auslandsverkehr durch technische Schutzsysteme zu leiten und sein Volumen für russische Nutzer zu begrenzen.
Für Betreiber bedeutet das Dekret einen verpflichtenden Kapazitätspuffer, der kurzfristig und zu gedeckelten Preisen abgerufen werden kann. Viele Details hängen von noch ausstehenden Regierungsregeln ab.
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