Rechenzentren setzen für KI-Strom auf umgebaute Flugzeugtriebwerke
Netzanschlüsse und neue Turbinen dauern Jahre. Betreiber von KI-Rechenzentren erzeugen ihren Strom deshalb zunehmend mit umgebauten Düsentriebwerken.

Weil Netzanschlüsse und neue Kraftwerksturbinen oft mehrere Jahre Wartezeit bedeuten, erzeugen immer mehr Betreiber von Rechenzentren ihren Strom selbst – mit umgebauten Düsentriebwerken. Die Energieinfrastruktur hält mit den KI-Investitionen schlicht nicht Schritt.
Tempo als Hauptargument
Der größte Vorteil adaptierter Flugzeugtriebwerke ist die schnelle Inbetriebnahme. Audun Martinsen, Analyst bei Rystad Energy, sagt, ein Rechenzentrum mit Aggregaten auf Basis von Strahltriebwerken könne innerhalb von 24 Monaten laufen. Zum Vergleich: Der Anschluss von 100 Megawatt ans Netz dauert in Nord-Virginia etwa sieben Jahre. Der Großteil neuer Erzeugungskapazität soll erst 2031 verfügbar sein.
Die Verzögerungen schlagen bereits aufs Geschäft durch. Im vergangenen Monat zog sich Microsoft als Ankerkunde aus dem Rechenzentrumsprojekt von Nscale im englischen Loughton zurück, weil der örtliche Versorger erst Anfang oder Mitte der 2030er Jahre ausreichend Strom liefern könne.
xAI, OpenAI und Crusoe
Elon Musks xAI hat in Mississippi acht umgebaute Triebwerksturbinen installiert, die das Rechenzentrum Colossus 2 in Memphis mit versorgen. Sie stammen von ProEnergy, das GE-Triebwerke umbaut, wie sie häufig in Boeing-Flugzeugen zum Einsatz kommen.
2025 folgte OpenAI und nutzte Gasturbinen am ersten Stargate-Standort in Abilene, Texas. Das Startup Crusoe, das den Campus baut, bestellte im April 13 umgebaute Einheiten bei ProEnergy. Im September stieg Crusoe jedoch aus einem Vertrag über 29 Gasturbinen von Boom Supersonic im Wert von 1,25 Milliarden Dollar aus. Boom entwickelt ein Überschallpassagierflugzeug und verkauft dessen Triebwerke inzwischen als Stromquelle für Rechenzentren. Ein Crusoe-Sprecher erklärte damals, man wolle weiterhin Turbinen einsetzen. Zusätzlichen Druck macht die Regierung von Donald Trump, die Rechenzentren zur Eigenstromerzeugung ermutigt.
Eher eine Übergangslösung
Die Methode hat deutliche Nachteile. Experten weisen darauf hin, dass umgebaute Düsentriebwerke weniger effizient sind und die Umwelt stärker belasten als Turbinen für klassische Gaskraftwerke. Für dieselbe Leistung werden zudem deutlich mehr Einheiten benötigt. Die Lösung dürfte daher nur kurzfristig tragen; Bedenken zu Effizienz und Umwelt dürften in den kommenden gut zwölf Monaten an Gewicht gewinnen.
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