Polnische Forscher entwickeln Roboter für Medikamente im Auge
Am ICTER in Polen entsteht ein Robotersystem, das Wirkstoffe und Gentherapien mikrometergenau an einer bestimmten Stelle der Netzhaut platzieren soll.

Forscher in Polen arbeiten an einem Robotergerät, mit dem Augenärzte Medikamente gezielt an eine exakt definierte Stelle der Netzhaut bringen können. Das teilte das International Centre for Translational Eye Research (ICTER) mit, das am Institut für Physikalische Chemie der Polnischen Akademie der Wissenschaften angesiedelt ist.
Das System soll unter anderem bei Gentherapien und Biopsien zum Einsatz kommen. Derzeit arbeiten fünf spezialisierte Forschungsgruppen des ICTER in präklinischen Studien an der Technologie. Geleitet wird das Projekt von Prof. Maciej Wojtkowski, einem Physiker mit Schwerpunkt physikalische Optik und deren medizinische Anwendungen.
Mikrometergenau dank 3D-Bildgebung
Das Gerät beruht auf Mikromanipulation, die ein Robotersystem mit dreidimensionaler Bildlokalisierung unterstützt. Der Mechanismus wird direkt mit der Bildgebung der Injektions- oder Biopsiestelle verknüpft. So lässt sich während der Operation die genaue Position der Instrumente im Augapfel bestimmen.
Die Anforderungen sind hoch: Manche chemischen und pharmazeutischen Substanzen müssen mit einer Genauigkeit von Mikrometern, also tausendstel Millimetern, in empfindliches Gewebe wie die Netzhaut gelangen. Hier sind Roboter der menschlichen Hand überlegen. Die Forscher betonen, dass die endgültigen Entscheidungen über das Vorgehen des Roboters stets ein qualifizierter Arzt oder Bediener trifft.
Anwendungen und Stand der Arbeiten
Als mögliche Einsatzfelder nennt das Team etwa die Früherkennung der diabetischen Retinopathie, einer Folgeerkrankung des Diabetes, bei der Blutgefäße der Netzhaut geschädigt werden und die zu starkem Sehverlust oder Erblindung führen kann. Außerdem soll die Plattform neue Therapien gegen Blindheit unterschiedlicher Ursachen unterstützen.
Aktuell testen die Wissenschaftler unter kontrollierten Laborbedingungen außerhalb des lebenden Organismus, mit Glasgefäßen, Reagenzgläsern und Zellkulturen. Der Übergang zu In-vivo-Studien an lebenden Organismen wird vorbereitet.
Finanziert wird das Vorhaben im Programm Internationale Forschungsagenden der Stiftung für die Polnische Wissenschaft. Das Gesamtbudget beträgt 30 Millionen Złoty und stammt aus dem EU-Programm Europäische Fonds für eine moderne Wirtschaft.
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