MAX: Russland erwägt Sperre aller SIM-Karten bei Betrugsverdacht
Digitalminister Maksut Schadajew regt an, bei einem als betrügerisch eingestuften MAX-Konto alle Rufnummern des Inhabers zu sperren und neue SIM-Karten vorübergehend zu verbieten.

Wenn der Messenger MAX ein Konto als betrügerisch einstuft und sperrt, könnten künftig auch alle Telefonnummern des Inhabers eingeschränkt werden. Das hat Russlands Digitalminister Maksut Schadajew am 29. Oktober auf dem Forum Kazan Digital Week zur Prüfung vorgeschlagen. Zudem hält er ein befristetes Verbot für den Erwerb neuer SIM-Karten für möglich.
Bislang erkennt MAX verdächtige Aktivitäten selbst und sperrt die betroffenen Konten. Laut Schadajew reicht das nicht aus: Ein Betrüger verliere zwar den Zugang zum Messenger mit einer Nummer, behalte aber seinen Mobilfunkanschluss. Die Beschränkungen sollten deshalb auf die Mobilfunkanbieter ausgeweitet werden, und zwar auf alle SIM-Karten des Inhabers. Das Ministerium bereite dafür die rechtlichen Grundlagen vor.
Viele offene Fragen
Noch handelt es sich nur um einen Vorschlag. Unklar ist, wer endgültig über die Abschaltung entscheiden würde, welche Prüfungen nötig wären und wie lang die vorgesehene „Abkühlungsphase“ für neue SIM-Karten dauern soll.
Die bestehenden Sperren haben bereits erhebliche Dimensionen. VK-Chef Wladimir Kirijenko zufolge blockierte MAX binnen eines Jahres mehr als 4,5 Millionen Konten, die als betrügerisch galten. Wie viele Personen dahinterstehen, wie viele Entscheidungen automatisch fielen und wie viele Sperren sich als Irrtum erwiesen, geht aus der Zahl nicht hervor. Die Nutzungsbedingungen erlauben Einschränkungen bereits bei bloßem Verdacht.
Risiko für Unschuldige
Gravierender wird es, wenn nicht ein Chat-Konto, sondern die SIM-Karte betroffen ist. Wessen Konto gehackt und für Betrugsnachrichten missbraucht wurde, könnte Anrufe, SMS und mobiles Internet verlieren – und damit den Zugang zu Banken, Arbeitssystemen und Behördendiensten, die die Rufnummer zur Anmeldung nutzen. Die Wiederherstellungsanleitung von MAX verlangt sogar, WLAN auszuschalten und das mobile Internet der verknüpften SIM-Karte zu nutzen, was bei einer Sperre nicht möglich wäre.
Ein Verfahren, wie der Mobilfunk nach einem Irrtum wiederhergestellt wird, wie lange das dauert und was mit Nummern von Arbeitgebern oder Einzelunternehmern geschieht, gibt es bislang nicht.
Die Idee knüpft an den am 30. September veröffentlichten Entwurf „Antifraud 3.0“ an, der Nummernsperren auf Hinweis von Innenministerium oder FSB vorsieht, auch für weitere Nummern desselben Teilnehmers. Wie beides zusammenhängt und ob MAX Sperren bei Betreibern direkt auslösen könnte, ist offen.
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