Handy ausschalten gegen Pegasus? ESET-Experte hält wenig davon
Pedro Sánchez rät, das Handy täglich fünf Minuten auszuschalten. ESET-Experte Josep Albors sagt, das bringe den meisten Nutzern gegen alltägliche Gefahren kaum etwas.

Der Rat von Pedro Sánchez, das Smartphone jeden Tag fünf Minuten auszuschalten, stößt bei einem Sicherheitsexperten auf Skepsis. Josep Albors, Leiter für Forschung und Awareness bei ESET Spanien, sagt: „Für die meisten Nutzer, die es mit eher alltäglichen Bedrohungen zu tun haben, bringt dieser Tipp in Sachen Cybersicherheit wenig.“
Sánchez hatte die Bemerkung in der Sendung La Revuelta gemacht, als es um Spionage mit Pegasus ging, der Spähsoftware der NSO Group. Pegasus kann auf die Daten eines Telefons zugreifen und auch Kamera oder Mikrofon nutzen.
Warum ein Neustart nur manchmal hilft
Laut Albors gilt der Tipp nur für Fälle, in denen sich Schadsoftware im Arbeitsspeicher (RAM) befindet, der beim Neustart geleert wird. Manche Pegasus-Varianten laufen ohne Persistenz nur im Speicher, was ihre Entdeckung erschwert; das Ausschalten kann sie unterbrechen.
Ist die Schadsoftware dagegen auf dem Gerät installiert, entfernt ein Neustart sie nicht, und sie kann sich beim Einschalten erneut aktivieren. Es sind zudem Versionen dokumentiert, die einen Neustart überstehen. Dass das Telefon danach normal läuft, beweist nicht, dass die Infektion verschwunden ist.
Das größere Problem ist die Schwachstelle selbst. Selbst wenn ein Neustart die Spyware entfernt, kann eine ungepatchte Lücke eine erneute Infektion ermöglichen, teils allein mit Kenntnis der Telefonnummer. Manche Angriffe kommen ohne Klick auf einen Link und ohne heruntergeladene Datei aus.
Was normale Nutzer tun sollten
Die US-Behörde NSA empfiehlt, Geräte wöchentlich neu zu starten, was bestimmte Infektionen unterbrechen kann. Ein allgemeiner Schutz vor Malware ist das jedoch nicht, und die genutzte Sicherheitslücke wird dadurch nicht geschlossen, wie ein Bericht der französischen Cybersicherheitsbehörde festhält.
Staatliche Werkzeuge wie Pegasus richten sich gegen ausgewählte Personen und haben wenig mit dem zu tun, was die meisten Nutzer beschäftigt. Albors verweist stattdessen auf schädliche Apps und betrügerische Links. Ein gelegentlicher Neustart kann Hintergrund-Apps schließen und Speicherprobleme lindern, belegt aber nicht, dass das Gerät sauber ist.
Empfohlen werden aktuelle Sicherheitsupdates, Misstrauen gegenüber unerwarteten Links, Apps nur aus offiziellen Quellen und eine Sicherheitslösung, die Gerät und Verbindungen prüft. Deren Reichweite hängt vom Betriebssystem und den gewährten Berechtigungen ab.
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