Hackerangriff auf Blutspendedienst: Gefrierschränke auf 110 °C
Hacker haben Kühlsysteme des französischen Blutspendedienstes EFS übernommen und Plasma-Gefrierschränke von -30 auf 110 °C programmiert. Ein Techniker griff rechtzeitig ein.

Hacker haben in der Nacht von Sonntag, 1., auf Montag, 2. November die Kühlsysteme des französischen Blutspendedienstes Établissement français du sang (EFS) unter ihre Kontrolle gebracht. Die Kühlräume, die dauerhaft bei -30 °C Spenderplasma und Blut lagern, wurden aus der Ferne auf 110 °C programmiert.
Wie die Wochenzeitung Canard enchaîné berichtet, gelangten die Angreifer über Coolworld ins System, einen Dienstleister, der Lagercontainer des EFS wartet, unter anderem in der Region Bourgogne-Franche-Comté.
Rechtzeitig bemerkt
Das Schlimmste wurde verhindert. Laut EFS bemerkte ein Bereitschaftstechniker nachts den Temperaturanstieg in den Kühlräumen und griff ein, bevor die Proben durch die Hitze geschädigt wurden. Das Gesundheitsministerium erklärte, es gebe „keine operativen Folgen“, weil der Vorfall rechtzeitig erkannt worden sei. Weder Transfusionen noch Patienten waren betroffen.
Die Gefahr war real: In den betroffenen Geräten lag gefrorenes Plasma für Transfusionen. Eine EFS-Mitarbeiterin erklärte, solche Hitze zerstöre die Antikörper, das Blut könne dann nicht mehr transfundiert werden.
Bekanntes Muster
Die Vorgehensweise erinnert an den Angriff von Mitte Oktober, bei dem Hacker die Kühlgeräte Hunderter Supermärkte in ganz Frankreich übernahmen. Die Temperaturen stiegen auf bis zu 50 °C, große Mengen Lebensmittel verdarben. Die Cybersicherheitsbehörde ANSSI sprach von „elementaren Sicherheitsmängeln“, die ausgenutzt worden seien.
Der Angriff auf den EFS fiel in dieselbe Nacht wie eine neue Welle gegen Supermarkt-Kühlschränke in mehreren europäischen Ländern, darunter Belgien, Luxemburg und Schweden. Bislang gibt es keine Hinweise auf einen Zusammenhang, die Koinzidenz ist jedoch auffällig.
Für Fachleute kommt der Angriff nicht überraschend. Samuel Hassine, Chef von Filigran, wies darauf hin, dass dieselben Steuerboxen wie in Supermärkten auch in Krankenhausapotheken, Labors und Logistiklagern zu finden sind. Pierre-Henry Poiret von HarfangLab betonte, die Risiken reichten weit über den Einzelhandel hinaus.
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