Google-Rechenzentrum in Finnland: Ermittlungen nach Rodung
Für ein Google-Rechenzentrum in Muhos wurden 330 Hektar Wald gerodet, bevor die Umweltprüfungen abgeschlossen waren. Die finnische Polizei ermittelt.

Die finnische Polizei ermittelt wegen des Verdachts einer Umweltstraftat im Zusammenhang mit dem geplanten Google-Rechenzentrum in Muhos im Norden des Landes. An zwei Standorten wurden die Arbeiten untersagt. Google erklärt, mit den Ermittlern zusammenzuarbeiten.
Das Gelände bei Oulu bereitete die Google-Tochter Tuike Finland vor. Dazu gehörten Baumfällungen, der Abtrag des Oberbodens, der Bau von Zufahrtsstraßen und Entwässerungssysteme. Gerodet wurden rund 330 Hektar Wald, das entspricht mehr als 460 Fußballfeldern. Am zweiten Standort Otanmäki bei Kajaani erstreckten sich die Vorarbeiten auf fast 200 Hektar. Naturschutzorganisationen schätzen, dass dort etwa 250.000 beziehungsweise 150.000 Bäume gefällt wurden.
Arbeiten vor Abschluss der Umweltprüfung
Kern des Problems: Die Arbeiten begannen, bevor die vorgeschriebenen Umweltverträglichkeitsprüfungen beendet waren. Im Oktober ordnete die Aufsichtsbehörde LVV an, alle Maßnahmen zu stoppen, die das Gelände weiter verändern könnten. Google bestätigte die Unterbrechung.
Am 29. Oktober bestätigte die Polizei in Oulu das Verfahren, in dem fünf Anzeigen zusammengeführt werden, darunter ein Antrag der Aufsichtsbehörde. Erste Erkenntnisse deuten auf Unklarheiten und Mängel bei Entwässerung und Wasserwirtschaft hin. Geprüft wird, ob gegen finnisches Wasserrecht verstoßen wurde und Umweltschäden entstanden. Bis zum 5. November muss der Investor einen detaillierten Wasserbewirtschaftungsplan vorlegen, der Starkregen, Schneeschmelze, unabhängige Messungen und sulfidhaltige Gesteine und Böden berücksichtigt, die Wasser versauern können. Eine Straftat ist nicht festgestellt. Bei Verstößen droht eine Geldstrafe. Die Polizei will im Dezember informieren und die Ermittlungen 2027 abschließen.
13 Milliarden Euro unter Beobachtung
Im September hatte Google mindestens 13 Milliarden Euro für Finnlands digitale Infrastruktur in den Jahren 2027 und 2028 angekündigt, für Muhos, Kajaani, Vaala und den bestehenden Standort Hamina. Zugesagt wurden auch Unterstützung für Kernenergie, Speicher und erneuerbare Energien, die Wiederherstellung heimischer Wälder und Feuchtgebiete sowie 31 Millionen Euro für lokale Projekte über vier Jahre.
Googles Finnland-Chef Antti Järvinen entschuldigte sich. Das Unternehmen habe nach seinem damaligen Verständnis der Vorschriften gehandelt und mit Behörden und Experten zusammengearbeitet.
Der Fall zeigt, dass KI-Infrastruktur Folgen hat, noch bevor der erste Server läuft. Netzbetreiber Fingrid schätzt, dass der Stromverbrauch des Landes um bis zu 40 Prozent steigen könnte, wenn alle geplanten Anschlüsse realisiert werden. Rechenzentren sind dabei ein wichtiger Faktor.
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