EU: Neue 2-Euro-Zollgebühr trifft Temu, Shein und AliExpress
Seit dem 1. November erhebt die EU 2 Euro Zollabwicklungsgebühr pro Warenkategorie, zusätzlich zum 3-Euro-Zoll von Juli. Das trifft Temu, Shein und AliExpress.

Die Europäische Union erhebt seit dem 1. November eine neue Zollabwicklungsgebühr von 2 Euro. Sie erhöht den Druck auf Billigplattformen wie Temu, Shein und AliExpress. Die Gebühr fällt für jede Warenkategorie in einer Sendung an, unabhängig vom Paketwert.
Nach Angaben der Kanzlei Garrigues umfasst eine Kategorie Waren einer Sendung mit gleicher Zolltarifeinstufung, Beschreibung und gegebenenfalls gleichem Ursprung. Fünf identische T-Shirts zahlen die Gebühr einmal, eine Bestellung mit T-Shirt und Uhr zahlt sie zweimal.
Zusätzlich zum Juli-Zoll
Die Abgabe kommt zu dem im Juli eingeführten befristeten Zoll von 3 Euro hinzu, der für Sendungen unter 150 Euro gilt und bis Juli 2028 läuft. Ein USB-Kabel für 50 Cent verursacht damit 5,50 Euro an Abgaben. Da die neue Gebühr den Warenwert ignoriert, zielt sie auf kleine, günstige Bestellungen, auf denen das Wachstum dieser Plattformen beruht.
Formal zahlt nicht der Käufer: Die EU betrachtet Plattformen und Online-Händler als Importeure, die für die Zollabwicklung zuständig sind. In der Praxis können sie die Kosten über Rabattaktionen auffangen oder die Preise erhöhen. Nach Einführung des Juli-Zolls ergab ein Test, dass Temu und AliExpress an der Kasse 3,63 Euro inklusive Mehrwertsteuer aufschlugen, während Shein den Gesamtpreis unverändert ließ. Raúl Mínguez von der spanischen Handelskammer erwartet, dass Unternehmen einen Teil schrittweise über Preise oder Versand weitergeben.
Was die Zahlen zeigen
Laut Quellen der EU-Kommission sanken die Sendungen kleiner Pakete seit Juli um 60 Prozent, dennoch erreichen täglich rund fünf Millionen Pakete die EU-Grenzen. In Frankreich fiel das Verkaufsvolumen von Temu zwischen Juni und Juli um 50 Prozent, das von AliExpress um 37 Prozent. Der niederländische Zoll, ein wichtiger Eintrittspunkt, meldet 46 Prozent weniger Pakete.
Der Rückgang könnte teils auf veränderte Logistik zurückgehen: Unternehmen importieren demnach große Mengen und lagern die Ware in der EU zum Weiterverkauf. Das Kaufverhalten könnte also gleich bleiben. Der Verbraucherverband BEUC räumt ein, die Logik der Gebühr sei die Deckung der Kontrollkosten. Der Europaabgeordnete Dirk Gotink, der die Zollreform im Parlament verantwortet, sagte, der 3-Euro-Zoll habe den Paketstrom deutlich verringert, reiche aber noch nicht aus.
Der Betrag von 2 Euro ist nicht endgültig: Brüssel will ihn alle zwei Jahre anhand der tatsächlichen Kontrollkosten überprüfen.
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