Cyberangriffe auf Kühlanlagen: Deutsche Supermärkte betroffen
In NRW und Niedersachsen sollen Hacker Kühlanlagen von Supermärkten aus der Ferne aufgeheizt haben. Die Polizei ermittelt, die EU hat Krisentreffen einberufen.

Die Polizei untersucht in Deutschland mehrere mutmaßliche Cyberangriffe auf Kühlanlagen von Supermärkten. Sie gehören zu einer Serie, die bereits mehrere europäische Länder getroffen hat. Nach bisherigen Erkenntnissen haben sich Kriminelle in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen in Kühltechnik gehackt und die Temperaturen aus der Ferne hochgestellt.
Verdorbene Ware an mehreren Orten
In Wuppertal, Wetter bei Hagen und im Münsterland wurden Kühlanlagen laut Polizei vermutlich per Hackerangriff lahmgelegt. Die Temperatur war so hoch eingestellt, dass Lebensmittel verdarben und entsorgt werden mussten. In Wuppertal erfolgte der Angriff am Wochenende und wurde am Morgen des 2. November bemerkt. In Raesfeld fiel die Kühlung ebenfalls aus; dort wird noch geprüft, ob Hacker verantwortlich sind.
Im Supermarkt in Lilienthal bei Bremen fielen in der Nacht auf den 2. November Bedientheken, Kühlhäuser und Tiefkühltruhen aus und heizten sich auf 30 Grad auf. Inhaber Daniel Breiding sagte, Waren im Wert von über 360.000 Euro seien weggeworfen worden. Auch ein von der Arbeiterwohlfahrt betriebener Markt in Wetter-Volmarstein war betroffen; der eigentliche Angriff habe der Firma gegolten, die die Anlagen aus der Ferne wartet.
In den vergangenen Tagen gab es ähnliche Fälle in Belgien, Schweden, Irland, Luxemburg, Estland, Finnland und den Niederlanden. Ein belgischer Kühltechnik-Dienstleister berichtete, die Anlagen seien aus der Ferne in den Abtaumodus versetzt worden. Schon Mitte Oktober hatte ein Angriff auf einen Technik-Dienstleister Märkte mehrerer großer französischer Handelsketten getroffen; die Pariser Staatsanwaltschaft ermittelt.
Politik fordert besseren Schutz
Bundesdigitalminister Karsten Wildberger (CDU) forderte mehr Anstrengungen beim Schutz digitaler Gebäude- und Betriebstechnik. Entsprechende Aufrufe des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik habe es schon vor den Angriffen gegeben. Unternehmen wie Verwaltung müssten mehr Vorsorge treffen.
Die EU-Kommission berief zwei Krisentreffen ein, an denen unter anderem Enisa, Europol und Kommissionsexperten teilnahmen; das europäische Netzwerk für Cyberkrisen wurde aktiviert. Die Ermittlungen liegen bei den nationalen Behörden. Wer hinter den Angriffen steckt, ist unklar. Laut einem Kommissionssprecher zeigen die Vorfälle, dass sich Europa gemeinsam auf solche Attacken einstellen muss.
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