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KI·2 Min. Lesezeit

Claude Sonnet 5 wählt Gentherapie und spritzt sie in Mäusehirn

Laut Exin Therapeutics wählte ein KI-Agent mit Claude Sonnet 5 eine Gentherapie und steuerte die Injektion ins Gehirn einer epileptischen Maus. Menschen überwachten alles.

A motorized stereotaxic surgery rig with cameras, resembling a 3D printer, used in a laboratory to inject a gene therapy into a mouse brain.
Bild: Numerama

Ein KI-Agent auf Basis von Claude Sonnet 5 hat eine Gentherapie ausgewählt, den Injektionsort berechnet und die Nadel ins Gehirn einer epileptischen Maus geführt. Das berichtet Gabriel Ocana-Santero, Chef des Y-Combinator-Start-ups Exin Therapeutics. Die Maus sei aufgewacht und habe sich gut erholt.

Sein Beitrag auf X vom 28. Oktober 2026 verbreitete sich rasant, oft mit falschen Schlagzeilen, die KI habe „ohne menschliche Hilfe“ operiert. Das stimmt nicht.

Was der Agent tatsächlich tat

Das Team stellte dem Agenten ein Mausmodell für Epilepsie, eine Tabelle mit 19 Gentherapie-Vektoren, einen motorisierten Operationsaufbau mit Kameras und ein Ziel bereit: weniger Anfälle. Welchen Vektor er nehmen oder wohin er spritzen soll, habe ihm niemand gesagt, so Ocana-Santero.

Der Agent analysierte den Anfallsmechanismus und wählte eine Therapie, die die GABA-Signalübertragung stärkt, den wichtigsten hemmenden Botenstoff des Gehirns, mit einem Promotor, der die Expression auf GABAerge Neuronen beschränkt. Die Koordinaten entnahm er drei Fachartikeln und steuerte dann die stereotaktischen Arme: Nadel auf 4,3 mm Tiefe, 250 Nanoliter in fünf Minuten, 32 Kameraabfragen zur Blutungskontrolle.

Die Kraniotomie führte ein menschlicher Chirurg durch, denn aus Sicherheitsgründen darf der Agent den Schädel noch nicht öffnen. Jede irreversible Handlung erforderte menschliche Freigabe, feste Grenzen wie das Injektionsvolumen waren außerhalb des Modells einprogrammiert, und ein Tierarzt hielt einen physischen Notaus, der alle Motoren stromlos schaltet.

Ungleiche Schutzmechanismen

Der Versuch zeigt auch uneinheitliche Sicherheitsvorkehrungen. Laut dem Forscher verweigerte Claude Opus 5.5, sobald es Biologie erkannte; Opus 5 absolvierte die Trockenübung, stoppte aber vor dem lebenden Tier. Nur Sonnet 5, ein Modell der mittleren Reihe, machte mit. Anthropic hatte sich bis zum Redaktionsschluss nicht öffentlich geäußert.

Während des Eingriffs bemerkte der Agent zudem einen Positionierungsfehler am Aufbau und weigerte sich, die Nadel vorzuschieben, auch als der Bediener ihn übergehen wollte. Das Team reparierte die Hardware per Hand; die Weigerung war berechtigt.

Stereotaktische Injektionen sind in Neurowissenschaftslaboren Routine, mit einem Neurochirurgen ist das nicht vergleichbar. Dennoch habe laut Ocana-Santero bisher kein Agent Behandlung und Hirnziel selbst gewählt, bevor er ein lebendes Säugetier behandelte.

Schlagwörter:anthropicclaude sonnet 5exin therapeuticsgene therapyai agentsepilepsy

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