AIM-Projekt: Núria López leitet EU-Initiative zur Abfallverwertung per KI
Ein europäisches Team unter Leitung der Chemikerin Núria López startet in Barcelona das AIM-Projekt: KI-gestützte digitale Zwillinge sollen Industrieabfälle verwertbar machen.

Ein Forschungsteam aus ganz Europa unter Leitung der katalanischen Chemikerin Núria López hat in Barcelona das Projekt AIM gestartet. Der Europäische Innovationsrat (EIC) fördert es mit vier Millionen Euro. Entwickelt werden „digitale Zwillinge“ von Anlagen zur Verwertung von Industrieabfällen, etwa für die zirkuläre Herstellung von Kraftstoffen, Chemikalien und erneuerbaren Materialien.
Das auf vier Jahre angelegte Vorhaben ist eines von acht Projekten der EIC-Ausschreibung „Waste-to-Value“, für die die EU insgesamt rund 30,5 Millionen Euro bereitstellt. Die Projekte untersuchen, wie sich schwer recycelbare Abfälle in nützliche Produkte verwandeln lassen: vom Aufspalten gemischter Kunststoffe über die Rückgewinnung von Materialien aus Entsalzungssole bis zur Abwasserbehandlung und zur Umwandlung von CO₂ in Chemikalien.
Das einzige Rechenprojekt im Portfolio
AIM ist das einzige computergestützte Projekt der Gruppe. Digitale Zwillinge sind virtuelle Abbilder realer Objekte und Prozesse, die auf Computermodellen beruhen. Mit künstlicher Intelligenz und Simulationen will AIM Modelle schaffen, die mikroskopische Prozesse mit dem Verhalten ganzer Geräte verknüpfen. Die Zwillinge werden mit den Technologien der anderen Projekte verbunden und unterstützen deren Simulationen.
Forschende können so Ideen virtuell testen, Ansätze am Rechner vergleichen und Probleme erkennen, bevor eine Anlage im Industriemaßstab gebaut wird. Das könnte den Bedarf an teuren Pilotanlagen verringern und helfen, auf Basis computergestützter Evidenz zu entscheiden, welche Lösungen weiterverfolgt werden.
„Mit AIM wollen wir diese Systeme als Ganzes verstehen, nicht als getrennte Einzelteile“, sagte Professorin López, Koordinatorin am Katalanischen Institut für Chemieforschung (ICIQ). Die Kombination aus KI und Multiskalensimulation verbinde die kleinste Ebene mit der Leistung des gesamten Geräts.
Partner und politischer Rahmen
Die Universität Jyväskylä (Finnland) und die Ruhr-Universität Bochum entwickeln die grundlegenden Simulationsmethoden, die Multiskalenmodellierung führt die EPFL (Schweiz). Matgenix (Belgien) liefert die KI-Werkzeuge, DIFFER (Niederlande) unterstützt die Automatisierung der Experimente. Das ICIQ integriert zudem experimentelle und rechnerische Daten, AGATA Communications (Großbritannien) leitet die Kommunikation.
Das Projekt kommt, während Europa Abfälle und Emissionen senken und die Abhängigkeit von fossilen Ressourcen verringern will. Es steht im Einklang mit dem europäischen Grünen Deal, REPowerEU und dem Paket „Fit für 55“.
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