Cogniguard Vguard: Vagusnerv-Stimulation im Schlaf gegen Alzheimer
Das polnische Unternehmen Cogniguard entwickelt mit Vguard ein Gerät, das im Schlaf den Vagusnerv über das Ohr stimuliert. Die Therapie kostet rund 22.000 Zloty pro Jahr.

Das polnische Unternehmen Cogniguard entwickelt mit Vguard eine Technologie, die den Vagusnerv nachts nicht-invasiv stimuliert (atVNS), um das Gedächtnis von Alzheimer-Patienten zu unterstützen. Der Neurologe Dr. hab. Adam Broncel, Mitentwickler und Chief Medical Officer des Unternehmens, erklärt, der Ansatz sei aus jahrelanger Praxis mit Patienten und ihren Familien entstanden.
So funktioniert das Gerät
Vguard sendet programmierte elektrische Impulse über Elektroden an der Ohrmuschel, weshalb die Stimulation nicht-invasiv ist. Der Vagusnerv dient als Kommunikationsweg zu Hirnregionen, die an der Gedächtnisbildung beteiligt sind, darunter der Hippocampus. Entscheidend sei laut Broncel die Kombination aus bestimmten Impulsparametern und dem Zeitpunkt: Die Stimulation erfolgt im Schlaf, wenn das Gehirn Erinnerungen festigt.
Das Konzept beruht auf präklinischen Studien, die gemeinsam mit der Universität Łódź durchgeführt wurden. Nach Angaben des Teams wurden dabei Stimulationsparameter gefunden, die Theta-Aktivität im Hippocampus auslösen. Anschließend wurde die Methode in einer randomisierten, doppelblinden, kontrollierten Studie mit Alzheimer-Patienten geprüft, unter anderem mit den Skalen ADAS-Cog und MMSE, dem CTT-Test und einem verbalen Gedächtnistest. Broncel betont, der Theta-Rhythmus gehöre zum untersuchten Wirkmechanismus; klinische Ergebnisse seien getrennt und nur im Rahmen der Studiendaten zu bewerten.
Frühe Diagnose und Kosten
Biologische Veränderungen bei Alzheimer können laut Broncel viele Jahre vor der Diagnose beginnen. Einige Biomarker seien mehr als zehn Jahre vor den ersten Symptomen nachweisbar, Veränderungen im Hippocampus etwa acht Jahre früher. Vergesslichkeit allein bedeute noch kein Alzheimer; über eine Therapie entscheiden Diagnostik, Risikofaktoren, Begleiterkrankungen und Krankheitsstadium.
Die Therapie kostet derzeit etwa 22.000 Zloty pro Jahr. Das Unternehmen räumt ein, dass dies für manche Familien eine erhebliche Belastung ist. Eine öffentliche Finanzierung sei ein wichtiges Ziel, einen Zeitplan nennt Cogniguard aber nicht. Zunächst will das Unternehmen weitere klinische Daten sammeln, die Technologie weiterentwickeln und mit Gesundheitsinstitutionen im Dialog bleiben. Für die Anwendung ist eine individuelle ärztliche Beurteilung nötig.
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