Uni Kentucky: Mitarbeiter erhält religiöse Ausnahme vom KI-Zwang
Ein Verwaltungsmitarbeiter der University of Kentucky muss bei der Arbeit keine KI mehr nutzen. Er beruft sich auf seine humanistische Überzeugung.

David Durman, Verwaltungsmitarbeiter an der University of Kentucky, muss in seinem Job keine künstliche Intelligenz mehr einsetzen. Die Universität hat ihm im September eine religiös begründete Ausnahmegenehmigung erteilt. Die American Humanist Association, die seinen Antrag unterstützt hat, geht davon aus, dass er der erste Humanist ist, der eine solche KI-Ausnahme erreicht hat.
Durman bezeichnet sich selbst als Humanist. Als die Hochschule ihre Beschäftigten aufforderte, KI in ihre Arbeitsabläufe zu integrieren, hatte er den Eindruck, sein Denken an einen Chatbot auslagern zu sollen. Das verstoße gegen seine Überzeugungen. Das Durchdenken von Situationen in Arbeit, Ethik und im Umgang mit anderen sei ein wesentlicher Teil seiner Entwicklung zu einem moralischen Menschen. Dies auszulagern, ob anstrengend oder nicht, untergrabe seine Fähigkeit, moralisch zu handeln.
Mit Hilfe des Verbands beantragte er die Ausnahme auf Grundlage eines Bundesgesetzes, das Beschäftigten erlaubt, Änderungen ihrer Arbeitsanforderungen zu beantragen, wenn diese ihren religiösen Überzeugungen widersprechen. Die Universität stimmte zu.
Eine breitere Debatte über ausgelagertes Denken
Durman steht mit seiner Haltung nicht allein. Die neugegründete Association for Human Mathematics fordert, die Mathematik solle in menschlicher Hand bleiben. Kurz zuvor hatte OpenAI 722 Fachartikel veröffentlicht, die mathematische Probleme beweisen oder widerlegen, an denen Forschende bislang gescheitert waren. Der Verband argumentiert, Fortschritt brauche menschliches Fachwissen, das durch sorgfältiges Denken entstehe. Automatisierte Produktion und Rezeption von Mathematik untergrabe die intellektuellen Grundlagen des Fachs.
Auch die Forschung kennt solche Sorgen. Eine Studie von Microsoft und der Carnegie Mellon University befragte 319 Personen, die beruflich Daten oder Informationen auswerten. Je stärker die Befragten von den Fähigkeiten der KI überzeugt waren, desto eigenständiger ließen sie sie arbeiten. Dadurch kann eine übermäßige Abhängigkeit ohne nachträgliche Prüfung entstehen, und kritisches Denken könnte verkümmern.
Durman befürchtet zudem gesellschaftliche Schäden: KI-Einsatz laufe der menschlichen Entfaltung zuwider. Ähnlich äußerte sich Papst Leo XIV. in einer Enzyklika Anfang des Jahres. Er warnte, KI könne Demokratie und Menschenwürde schwächen und bei Missbrauch einer kleinen Elite zusätzliche Macht geben.
Der Fall zeigt, dass Arbeitgeber, die KI verbindlich einführen wollen, künftig mit Ausnahmeanträgen aus Glaubensgründen rechnen müssen.
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