Google: KI-Rechenzentren im Weltraum 100-mal teurer als auf der Erde
Google beziffert die Kosten für KI-Rechenzentren im Orbit auf bis zum 100-Fachen irdischer Anlagen. Der Suncatcher-Satellit hat derweil einen ersten KI-Test absolviert.

KI-Rechenzentren im Weltraum könnten bis zu 100-mal so viel kosten wie vergleichbare Anlagen auf der Erde. Das hat Google eingeräumt. Amanda Peterson Corio, die bei dem Konzern für die Energie der Rechenzentren zuständig ist, sagte, zunächst müssten die Möglichkeiten auf der Erde ausgeschöpft werden, bevor man in den Orbit ausweiche.
Die USA verfügten über die Kapazitäten, um den Strom für den Ausbau der KI-Infrastruktur zu liefern. Verzögerungen bei Genehmigungen seien jedoch eines der größten Hindernisse für neue Standorte.
Project Suncatcher erreicht den Orbit
Dennoch prüft Google die Idee weiter, und zwar im Forschungsprojekt Project Suncatcher. Ziel ist ein Netz aus Satelliten mit KI-Prozessoren, die als Rechenzentren um die Erde kreisen. Sie tragen spezialisierte Chips und Solarmodule zur Stromerzeugung.
Der erste Suncatcher-Satellit, etwa so groß wie ein Kühlschrank, erreichte am 1. Oktober die Umlaufbahn. Er soll zeigen, ob Tensor Processing Units (TPU) Strahlung, extreme Temperaturen und raue Bedingungen im All verkraften. Am 30. Oktober meldete Google den ersten KI-Test namens Hello World: Das Modell Gemma 4 sollte ein Haiku über das Dasein im Weltraum schreiben. Die Anfrage wurde an Bord verarbeitet, das Ergebnis zur Erde gesendet.
Der Satellit besitzt vier TPUs und kann bis zu 1 Kilowatt Leistung erzeugen. Wegen des Stromverbrauchs läuft jeweils nur ein Prozessor, etwa 20 Minuten lang. 2027 will Google zwei Satelliten testen, die miteinander kommunizieren und Daten austauschen.
Ein globales Wettrennen
Google ist nicht allein. SpaceX will bis Ende 2027 orbitale Rechensysteme testen und ab 2028 breiter einsetzen. Blue Origin hat mit Project Sunrise ein Satellitennetz vorgestellt, das als Rechenzentrum im All dienen soll.
Auch China mischt mit: Der Konzern CASC kündigte Weltraum-Recheninfrastruktur im Gigawatt-Bereich binnen fünf Jahren an, und Start-ups wie ADA Space haben bereits Satelliten der Three-Body Computing Constellation gestartet.
Die Vorhaben zeigen, dass der Wettbewerb um KI nicht mehr nur Chips und Modelle betrifft, sondern auch neue Standorte und Energiequellen. Die Kosten bleiben vorerst die größte Hürde für einen kommerziellen Betrieb im großen Maßstab.
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