EvdekiBakıcım: Türkisches Betreuungs-Startup stellt Betrieb ein
Die türkische Plattform EvdekiBakıcım, die Familien mit Nannys und Spielbetreuerinnen zusammenbrachte, beendet ihre Tätigkeit nach Pandemie und Kaufkraftverlust.

EvdekiBakıcım, eine türkische Plattform, die Familien mit Babysittern, Pflegekräften für Ältere und sogenannten „oyun ablası“ (Spielbetreuerinnen) zusammenbrachte, stellt ihren Betrieb ein. Mitgründer Miraç Bal schildert den Weg von einem digitalen Betreuungsmodell über Firmenangebote bis zum Pandemie-Einbruch und zur schwindenden Kaufkraft der Familien.
Laut Bal war nicht ein einzelnes Ereignis ausschlaggebend. Vielmehr hätten sich über Jahre Schwierigkeiten aufgetürmt, bis die Plattform nicht mehr weitergeführt werden konnte.
Ein digitales Modell für den Familienalltag
Das Startup wollte Familien und Betreuungspersonen online zusammenbringen – in einem Bereich, der traditionell über persönliche Kontakte und Empfehlungen läuft. Mit der Zeit kamen zur Kinder- und Seniorenbetreuung auch Spielbetreuerinnen hinzu. Bal zufolge war die Digitalisierung mehr als der Bau einer Plattform: Arbeitsgewohnheiten und Schwarzarbeit in der Branche erschwerten das Geschäftsmodell.
Zudem baute das Unternehmen Angebote für Firmen auf, um Beschäftigte über ihre Arbeitgeber zu erreichen, und entwickelte mit Versicherern Leistungen, bei denen Betreuung zusammen mit Versicherungsprodukten angeboten wurde.
Finanzierung, Pandemie und Wirtschaftslage
2017 erhielt EvdekiBakıcım 675.000 Türkische Lira, 2019 gab das Unternehmen 600.000 US-Dollar von drei kanadischen Business Angels bekannt. Die letzte Bewertung liegt bei 15 Millionen US-Dollar. Damals standen die Ausweitung des Angebots und internationales Wachstum im Mittelpunkt.
Die Pandemie traf dann ein Modell, das darauf beruhte, dass Betreuende in die Wohnungen der Familien kommen. Bal berichtet von einem deutlichen Rückgang des Geschäftsvolumens. Das Team führte Tests und Quarantäne für Betreuende vor Hausbesuchen ein und durchlief eine lange Neuaufstellung.
Zusätzlich verweist Bal auf die Abwertung der türkischen Lira und die sinkende Kaufkraft, wodurch Familien sich Betreuung seltener leisten konnten und die Nachfrage litt. Trotz der Neuaufstellung habe es keinen Sinn mehr ergeben, das bisherige Modell fortzuführen. Das Unternehmen hat seine Tätigkeit nun offiziell beendet.
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