Entire greift GitHub an: CEO sieht Bedarf an neuer Plattform
Entire-CEO Thomas Dohmke will das Git-Speichersystem als Open Source freigeben. GitHub-COO Kyle Daigle setzt dagegen auf Größe und Entwickler-Community.

Entire-CEO Thomas Dohmke fordert mehr Wahlfreiheit für Entwickler: Sie sollten selbst entscheiden können, wo ihr Code liegt. Die Zukunft von Softwareentwicklung und Open Source dürfe nicht in der Hand weniger Großkonzerne liegen. „GitHub mag denken, dass die Welt kein neues GitHub braucht, aber Entwickler wollen es eindeutig“, sagte er am 29. Oktober (Ortszeit).
Damit reagiert er auf GitHub-COO Kyle Daigle. Dieser hatte bei einem Pressegespräch zur GitHub Universe 26 in San Francisco erklärt, die Welt brauche kein neues GitHub, sondern eine KI-Plattform, die sich mit der Zeit weiterentwickelt.
Git-Speicher als Open Source
Um seine Position zu untermauern, will Entire das Git-Speichersystem, in dem Code und Änderungsverlauf liegen, als Open Source veröffentlichen. GitHub ist zwar der zentrale Ort für unzählige Open-Source-Projekte, legt den Quellcode der eigenen Plattform aber nicht offen. Entire stellt die offene Basis als Unterscheidungsmerkmal heraus. Laut Dohmke baut das Unternehmen die Plattform so, dass Daten in mehreren Weltregionen gespeichert werden können.
Am 27. Oktober, einen Tag vor Beginn der GitHub Universe, stellte Entire eine eigenständige KI-Entwicklungsplattform vor, die Speicherung, Verwaltung, Review und Tests abdeckt. Der Kern ist das Code-Review: Müssen Menschen jede KI-Änderung einzeln prüfen, bremst das die Entwicklung. Deshalb ersetzt Entire den Pull Request durch „Trails“. Mehrere KI-Agenten bewerten die Codequalität und beheben gefundene Probleme iterativ. Sind alle Kriterien erfüllt, können Entwickler Änderungen laut Unternehmen übernehmen, ohne den gesamten Code zu lesen.
GitHub setzt auf Größe und Community
GitHub will mit Plattformgröße und Betriebserfahrung kontern. Daigle zufolge unterstützt das Unternehmen mehr als 225 Millionen Entwickler und baut Kernfunktionen und Infrastruktur auf die Arbeitsweise von KI-Agenten um. Als weiteren Vorteil nannte er die Community: Je schneller sich die Entwicklung wandelt, desto wichtiger seien Orte zum Teilen und gemeinsamen Lernen.
Brisant ist die Verbindung zum Mutterkonzern: An Entires Seed-Runde über 60 Millionen US-Dollar vom 10. Februar beteiligte sich Microsofts Venture-Arm M12. Felicis führte die Runde an, auch Madrona war dabei; die Bewertung lag bei 300 Millionen Dollar. M12s Anteil ist nicht bekannt. Daigle sagte, M12 investiere oft in Firmen, die mit Microsoft-Produkten konkurrieren.
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