Unterwasser-Schirme mindern Korallenbleiche in den Florida Keys
Forschende haben Korallen in der Karibik mit kleinen Stoffdächern beschattet. Die Tiere bleichten weniger aus, einige gewannen sogar ihre Farbe zurück.

Kleine „Sonnenschirme“ unter Wasser können die Korallenbleiche bei Hitzewellen im Meer abmildern. Das zeigt eine Studie im Fachjournal Frontiers in Marine Science. Beschattete Korallen bleichten weniger aus als erwartet, einige gewannen ihre Farbe zurück.
Getestet wurde das Konzept an Karibik-Riffen, wo Korallen besonders unter der Kombination aus Sonnenlicht und Hitze leiden. Jeder Schirm besteht aus einem Rohrgestell mit Nylonstoff und wird am Meeresboden verankert, sodass er rund 30 Zentimeter über der Koralle schwebt. Als Vorbild diente eine ähnliche Konstruktion von Kollegen in Dominica während der Meereshitzewelle 2023.
So lief das Experiment
Im Sommer 2024 brachte das Team im Newfound Harbor in den Florida Keys 20 Schirme über 10 Kolonien zweier Hirnkorallenarten an, Pseudodiploria clivosa und Colpophyllia natans. Als Kontrolle dienten 20 Kolonien ohne Schatten. Die Schirme verringerten das einfallende Sonnenlicht um 60 Prozent. Alle zwei Wochen tauchten die Forschenden hinunter, prüften die Färbung und entnahmen Gewebeproben, um die Algen in den Korallen zu verfolgen.
Die Hitzebelastung war an dem Standort in jenem Sommer die zweithöchste je gemessene. Der Unterschied zwischen beschatteten und unbeschatteten Korallen war auf dem Höhepunkt am größten. In keiner Gruppe starben Korallen. Hauptautorin Karen Neely von der Nova Southeastern University sagte, die Konstruktionen eigneten sich für kleine Flächen wie wichtige Einzelkorallen, Korallenzuchten oder kleine Umsiedlungsareale; mit neuen technischen Ideen seien auch größere Riffe denkbar.
Einschränkungen und Ausblick
Auch unbeschattete Korallen bleichten weniger als vorhergesagt, möglicherweise weil die hitzetolerante Alge Durusdinium dominierte. Sie kann das Wachstum der Koralle bremsen und die Krankheitsanfälligkeit erhöhen. Bei Algendichte und -art fanden die Forschenden keine Unterschiede zwischen den Gruppen, doch die Genehmigung erlaubte nur Proben vom Rand der Kolonien, wo weniger Licht ankommt. Eine frühere Installation vor dem Temperaturanstieg hätte womöglich mehr gebracht. Hinweise auf Schäden für andere Teile des Ökosystems gibt es laut Neely nicht.
Größere Tests laufen bereits in diesem Sommer. Zudem will das Team langfristige Effekte untersuchen: Theoretisch sollte Schatten spätere Krankheiten verringern und die Fortpflanzung steigern, das muss aber belegt werden.
Der Druck ist hoch: Bis 2050 dürften die meisten Riffe jährlich schwer ausbleichen. Da Riffe Fischerei, Arbeitsplätze und Küstenschutz für Millionen Menschen sichern, ist Beschattung eine Übergangslösung, bis der Klimaschutz greift.
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