Space HPC: ESA nimmt ersten eigenen Supercomputer in Betrieb
Der Supercomputer Space HPC der ESA bündelt 34.000 Prozessorkerne und 108 Nvidia-H100-Chips, um die wachsende Flut an Weltraumdaten auszuwerten.

Die Europäische Weltraumorganisation ESA besitzt erstmals einen eigenen Supercomputer. Space HPC steht im Zentrum ESRIN in Frascati bei Rom und arbeitet mit rund 34.000 Prozessorkernen und 108 Grafikchips vom Typ Nvidia H100. Die Rohleistung beträgt 5 Petaflops, also 5 Billtriarden...
Korrekt: 5 Billiarden Rechenoperationen pro Sekunde.
Eingeweiht wurde die Anlage am 12. März 2025 gemeinsam mit Hewlett Packard Enterprise. Laut der offiziellen Dokumentation ist es das erste Hochleistungsrechensystem der ESA. Projektleiter Michel Leonard beschreibt den Zweck nüchtern: Es gebe immer mehr Daten, und deren Verarbeitung brauche Rechenleistung. Die Datenmengen wüchsen exponentiell, ebenso die nötige Rechenzeit.
Drei Bereiche für unterschiedliche Aufgaben
Das ESRIN ist das Erdbeobachtungszentrum der ESA. Der Rechner dient daher vor allem Wissenschaftlern, die Satellitendaten auswerten; die Kapazität wird projektweise aufgeteilt. Auch Unternehmen, Start-ups und Labore aus den Mitgliedstaaten können Zugang beantragen, jede Anfrage wird geprüft.
Das System gliedert sich in drei Teile: einen massiv parallelen Prozessorbereich für klassische physikalische Simulationen, einen GPU-beschleunigten Bereich für KI, Strömungsmechanik und große Datenmengen sowie einen Bereich für Quantenemulation. Mit 64 Grafikchips kann Space HPC einen Quantencomputer mit 39 Qubits simulieren, sodass Teams Algorithmen für künftige Quantenrechner schon jetzt testen können. Der SSD-Speicher fasst 3,6 Petabyte.
Direkte Flüssigkeitskühlung ergibt einen PUE-Wert unter 1,09: Kühlung und übrige Technik verbrauchen weniger als 9 Prozent zusätzlichen Strom. Die Abwärme heizt laut ESA den ESRIN-Campus.
Kein Konkurrent für Jupiter
Im europäischen Vergleich ist Space HPC bescheiden. Jupiter, Europas erster Exascale-Rechner, im September 2025 in Jülich eingeweiht, kommt auf 1.000 Petaflops, rund 200-mal so viel. Die ESA will nicht konkurrieren, sondern die großen nationalen und europäischen Supercomputer ergänzen.
Ein hervorgehobener Anwendungsfall ist das Weltraumwetter. Bei Sonneneruptionen werden Teilchen Richtung Erde geschleudert, Satelliten wie SOHO von ESA und NASA am Lagrange-Punkt L1, 1,5 Millionen Kilometer entfernt, sehen sie starten. Mit der neuen Maschine könnten Vorhersagen von Sonnenstürmen von mehreren Stunden auf wenige Minuten sinken.
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