Russland plant unterirdische Rechenzentren nach Drohnenangriffen
Ukrainische Drohnen haben russische Cloud-Dienste und KI-Supercomputer gestört. Moskau erwägt nun Rechenzentren unter der Erde und sogar im Ausland.

Russische Tech-Konzerne wollen ihre Rechenzentren nach ukrainischen Drohnenangriffen härten und unter die Erde verlegen. Die Angriffe beschädigten Anlagen mit KI-Supercomputern und legten Cloud-Dienste für Millionen Nutzer lahm. Parallel verpflichtet der Kreml die Betreiber, Rechenkapazität für staatliche Notfälle freizuhalten.
Die Ukraine hat militärische und infrastrukturelle Ziele in ganz Russland angegriffen und dabei Rechenzentren von Yandex, der Sberbank, VKontakte und des russischen Finanzministeriums beeinträchtigt oder ausgeschaltet. Russland beschießt ukrainische Städte seit Monaten fast rund um die Uhr mit Drohnen und Raketen und nimmt seit Ende September gezielt ukrainische Rechenzentren ins Visier.
Untertägige Pläne und ein Kurswechsel
Der staatliche Telekomkonzern Rostelecom hat laut Wedomosti in Gesprächen mit dem Bergbauunternehmen Norilsk die Verlagerung einiger Rechenzentren unter die Erde angeregt. Data Center Dynamics verweist zudem auf den Vorschlag eines russischen Regionalgouverneurs, Rechenzentren in Kohletagebauen zu errichten und darüber begrünte Parks als Tarnung anzulegen.
Am 2. November unterzeichnete Wladimir Putin laut Meduza ein Dekret, wonach Betreiber zehn Prozent ihrer freien Fläche und Kapazität für den Bedarf des Staates reservieren müssen. Zudem darf eine Sonderkommission im Benehmen mit dem Inlandsgeheimdienst FSB die Nutzung ausländischer Rechenzentren genehmigen. Das ist ein bemerkenswerter Kurswechsel, denn das „Gesetz über das souveräne Internet“ hatte russischen Firmen die Nutzung von Cloud-Infrastruktur außerhalb des Landes untersagt.
Zentralisierung als Schwachstelle
Das Streben nach einem souveränen, zunehmend abgeschotteten Netz hat ein stark zentralisiertes System unter wenigen Konzernen wie Yandex geschaffen. Im Krieg erweist es sich als verwundbar: Die Angriffe störten Zahlungs- und Banking-Apps, Onlinehandel, Videostreaming sowie Fahrdienst- und Lieferapps. Yandex musste laut Meduza alle drei Hauptsupercomputer verlegen, nachdem die KI-Rechenzentren, in denen sie standen, angegriffen worden waren.
Die dezentralen digitalen Dienste der Ukraine haben trotz jahrelanger Angriffe deutlich besser standgehalten. Die Regierung hat wichtige Energie- und Telekommunikationsknoten verteilt und mehr Infrastruktur unter die Erde gebracht. Amazon und Microsoft halfen kurz nach Beginn der Großinvasion im Februar 2022, Regierungsressourcen und zentrale Dienste in Cloud-Regionen andernorts in Europa zu verlagern. Als Ersatzkommunikation nutzt Kiew Starlink-Terminals, die die USA sowie Länder wie Polen und Deutschland bezahlt haben.
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