Proton Mail verlassen: Tuta oder Infomaniak im Vergleich
Nach Berichten über Protons KI-Kurs suchen Nutzer europäische Alternativen. Tuta und Infomaniak unterscheiden sich bei Datenschutz und Funktionen deutlich.

Wer Proton Mail verlassen, aber in Europa bleiben möchte, findet vor allem zwei Alternativen: das deutsche Tuta und das Schweizer Infomaniak. Anlass ist eine Recherche von 404 Media vom 29. Oktober. Demnach drängt Proton-Chef Andy Yen seine Teams dazu, mit KI zu programmieren, notfalls auf Kosten kürzerer Sicherheitstests. Der Technikchef nennt 90 Prozent des im Oktober bei Proton geschriebenen Codes als KI-generiert.
Tuta: starker Datenschutz, schmaler Umfang
Tuta, früher Tutanota, ist ein quelloffener Dienst aus Deutschland mit nach eigenen Angaben über 10 Millionen Konten. Text, Betreff, Anhänge, Kontakte und Kalender sind Ende-zu-Ende-verschlüsselt. Seit 2024 nutzt Tuta zudem das eigene Protokoll TutaCrypt, das Quantencomputern standhalten soll.
Dafür gibt es Einschränkungen: Tuta unterstützt weder IMAP noch POP, genutzt werden müssen also die eigenen Apps oder eine Thunderbird-Erweiterung. Es gibt nur E-Mail und Kalender, kein VPN und keinen Passwortmanager; der Speicher Tuta Drive befindet sich noch in der geschlossenen Beta. Das Unternehmen hat rund 30 Beschäftigte und unterliegt deutschem und europäischem Recht.
Der Gratistarif bietet 1 GB und eine Adresse. Revolutionary kostet 36 Euro im Jahr (20 GB, 15 Aliase, bis zu drei eigene Domains), Legend 96 Euro im Jahr (500 GB). Proton Mail Plus kostet 4,99 Euro im Monat für 15 GB.
Infomaniak: mehr Umfang, weniger Privatsphäre
Infomaniak ist ein 1994 gegründeter Schweizer Hoster mit über 200 Mitarbeitenden und drei Rechenzentren in der Schweiz. Das Postfach gehört zu kSuite mit kDrive, Kalender, kMeet und OnlyOffice. Es funktioniert per IMAP mit Outlook, Thunderbird oder Apple Mail.
Beim Datenschutz liegt Infomaniak hinter Proton: Die OpenPGP-Verschlüsselung muss bei jeder Mail manuell aktiviert werden, die privaten Schlüssel liegen auf den Servern des Anbieters. Metadaten sind nicht geschützt, und das Unternehmen hat erklärt, sich einer Änderung des Schweizer Rechts zur Weitergabe an Behörden zu beugen. Zudem gibt es den in der Schweiz gehosteten KI-Assistenten Euria. Der Gratistarif bietet 20 GB für Mails und 15 GB auf kDrive; My kSuite+ kostet 19 Euro im Jahr.
So gelingt der Umzug
Mit dem Kommandozeilenwerkzeug Proton Mail Export Tool lassen sich Mails als EML-Dateien sichern und in die Tuta-Desktop-App importieren oder per IMAP, etwa über Thunderbird, zu Infomaniak übertragen. Kontakte werden als vCard exportiert. Eigene Domains brauchen eine DNS-Änderung und einen Bezahltarif. Zahlende Proton-Kunden können das Konto ein bis zwei Monate mit Weiterleitung behalten. Weitere Optionen sind Mailbox.org und Mailfence.
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