Apple verliert Macht über Speicherlieferanten durch KI-Boom
Jahrelang drückte Apple Speicherchip-Hersteller bei Preisen und Konditionen. Der KI-Rechenzentrumsboom verschiebt nun die Macht zu den Zulieferern und belastet die iPhone-Margen.

Applers jahrelange Dominanz über Hersteller von Speicherchips bröckelt. Wie das Wall Street Journal berichtet, nutzte der Konzern seine Einkaufsmacht, um niedrige Preise und strenge Bedingungen durchzusetzen. Der Boom bei KI-Rechenzentren gibt den Lieferanten nun Verhandlungsmacht zurück.
Als Beispiel nennt der Bericht Ende 2015: Damals lehnte SanDisk zusätzliche Apple-Bestellungen ab, weil andere Kunden mehr zahlen wollten. Tony Blevins, damals Einkaufschef bei Apple, drohte demnach, SanDisk-Chef Sanjay Mehrotra werde „auf Knien zu Apple zurückkriechen“. Blevins verließ Apple 2022 und wurde wegen seines harten Stils „Blevinator“ genannt.
Harte Verhandlungstaktiken
Laut Bericht ließ Apple Lieferanten in aufeinanderfolgenden Terminen aufeinandertreffen, um den Wettbewerbsdruck zu erhöhen. Manche Runden dauerten bis nach Mitternacht ohne Abendessen. Zudem verlangte Apple den Status „Most Favored Customer“, sodass kein Käufer niedrigere Preise erhält, und behielt sich Einsicht in die Geschäftsbücher der Zulieferer vor. Nachdem Micron Chips an einen anderen Kunden günstiger verkauft hatte, erstritt Apple demnach einen Schiedsvergleich über zweistellige Millionenbeträge. Außerdem bestellte Apple große Mengen zu niedrigen Preisen und verweigerte bei fallenden Marktpreisen die Abnahme einzelner Lieferungen, sodass Hersteller auf Lagerbeständen sitzen blieben und Rabatte nachlegen mussten.
Das Kräfteverhältnis kippt
Microsoft, Amazon, Meta und Google konkurrieren inzwischen heftig um Speicher. Laut TechInsights kaufte Apple vor etwa zwei Jahren rund doppelt so viel Flash-Speicher wie diese vier zusammen; heute ist es umgekehrt. Die Flash-Preise stiegen binnen eines Jahres etwa auf das Fünffache, und Lieferanten schließen langfristige Verträge zu höheren Preisen.
TechInsights schätzt Apples Flash-Rechnung 2026 auf rund 25 Milliarden US-Dollar nach etwa 6 Milliarden 2025, bei ähnlichen Mengen. Das trifft auch die iPhone-Gewinne: Die Speicherkosten für das Upgrade des iPhone 18 Pro von 256 auf 512 GB stiegen auf etwa 66 Dollar nach 15 Dollar in der Vorgängergeneration, während Apple weiter 200 Dollar verlangt. Der Bruttogewinn sinkt auf rund 134 Dollar von etwa 185 Dollar beim iPhone 17 Pro.
Apple erklärte, man arbeite seit Jahrzehnten mit vielen Lieferanten zusammen, schätze die Partnerschaften und wolle sie fortsetzen.
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