Photon Matrix Lab: KI-Laserturm gegen Mücken für rund 1.000 Dollar
Ein chinesisches Unternehmen belebt die US-Idee der Photonic Fence neu: ein ziegelgroßes KI-Gerät, das Mücken per Laser die Flügel verbrennt.

Das Unternehmen Photon Matrix Lab aus Changzhou in der chinesischen Provinz Jiangsu will einen Laser gegen Mücken in Privathaushalte bringen. Das Laser Mosquito Air Defense System ist etwa so groß wie ein Ziegelstein und kombiniert Lasersensoren, Kameras und künstliche Intelligenz. Die Innenraumversion mit unsichtbarem Infrarotlaser kostet 988 Dollar, die Außenversion mit sichtbarem blauem Laser 1.088 Dollar.
Eine Idee aus dem Jahr 2006
Die Idee stammt aus den USA. 2006 fragte Nathan Myhrvold, früherer Technikchef von Microsoft und Gründer von Intellectual Ventures, Ingenieure, ob sich Mücken mit einem Laser töten ließen – im Rahmen von Gesprächen über den Kampf gegen Malaria. Der Physiker Lowell Wood entwarf die Photonic Fence, die Insekten erkennt, von anderen Tieren unterscheidet und automatisch beschießt. 2009 gab es funktionierende Prototypen, im Februar 2010 zeigte Myhrvold die Technik bei TED. Ein Massenprodukt wurde nie daraus.
So funktioniert das neue Gerät
Das chinesische System nutzt Lidar und sendet rund 100.000 schwache Laserpulse pro Sekunde über eine zweidimensionale Ebene vor dem Gerät. Erkennt es ein winziges fliegendes Objekt, berechnet es die Flugbahn und feuert einen stärkeren Laser etwa eine hundertstel Sekunde lang ab, um die Flügel zu verbrennen. In einer Demonstration holte das Gerät mehrere Insekten nacheinander herunter; sie fielen mit äußerlich intaktem Körper zu Boden, konnten aber nicht mehr fliegen. Laut Gründer Wang Chuan überleben manche ohne Flügel Stunden oder sogar Tage.
Zweifel bei Sicherheit und Lieferung
Die Sicherheit ist das größte Hindernis. Das Unternehmen wechselte von Klasse 3 auf einen Laser der Klasse 4, die gefährlichste Kategorie, die schon bei kürzester Einwirkung schwere Augenschäden verursachen kann. Nach eigenen Angaben erkennen KI-Kameras Menschen und Haustiere, hinzu kommen eine Erkennung reflektierender Flächen und Sensoren, die auch im Dunkeln Bewegung erfassen. Nutzer müssen einen Sicherheitstest mit 15 Fragen bestehen und einen Fingerabdruck registrieren. Zulassungen in China, Europa und den USA sind beantragt, doch die Sicherheit unter allen Bedingungen im Haushalt ist öffentlich nicht belegt.
Die Nachfrage ist hoch: Eine Indiegogo-Kampagne mit dem Ziel von 20.000 Dollar sammelte mehr als 2,8 Millionen ein, über 5.000 Bestellungen kamen vor allem aus Europa und Nordamerika. Geplant waren 3.000 bis 5.000 Geräte monatlich. Die Entwicklung dauerte drei Jahre statt der geplanten drei Monate. Die für Juli 2026 erwartete Serienfertigung verzögerte sich; Ende September meldete die Firma noch Vorserientests, obwohl erste Lieferungen für Oktober angekündigt waren.
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